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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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VI. Vorlesung.

betrafen Männer in den mittleren Lebensjahren. Das entsprichtdurchaus der Regel. Die Paralyse ist bei Männern etwa 35 malso häufig wie bei Frauen; in den gebildeten Ständen wird dasVerhältnis für die Frauen noch weit günstiger. Die überwiegendeMehrzahl der Paralytiker steht zwischen dem 35. und 45. Lebens-jahre; Frauen erkranken im allgemeinen etwas später oder früher.Gewisse Berufsarten, wie Offiziere und Kaufleute, werden häufig,andere, wie katholische Geistliche, sehr selten von der Paralyseergriffen. In den großen Städten ist die Krankheit verbreiteter,als auf dem Lande, namentlich im abgelegenen Gebirge. DieUrsache aller dieser und so mancher anderer Verschiedenheitenkann kaum eine andere sein, als die verschiedene Häufigkeit derSyphilis.

VI. Vorlesung.Epileptisches Irresein.

M. H.l Wenn Sie den heute vor Ihnen sitzenden, 55jährigen,kräftig gebauten und gut genährten Mann ansehen, so wird Ihnenin seinem Verhalten wohl nichts auffallen, als höchstens eine ge-wisse Verdrossenheit, die sich in seinen Mienen ausprägt, währender sich sonst völlig wie ein Gesunder benimmt, mich höflich be-grüßt, sich hinsetzt und abwartet, bis man ihn anredet. Er gibtüber seine Verhältnisse geordnete, wenn auch nur kurze Auskunft,weiß, wo er sich befindet, wie lange er hier ist, kennt Tag undJahreszahl und die Personen seiner Umgebung. Auf die Frage, ober krank sei, fängt er an, zu jammern, ihm sei so taumelig im Kopf,so lebensmüd und lebenssatt. Mit ihm sei es aus; er werde nichtmehr gesund und möge auch nicht mehr leben; das Leben sei ihmverleidet. Man solle ihm doch etwas geben, damit es zu Ende gehe;morgen lebe er nicht mehr. Im Kopf und im Leibe tue es ihmweh; das Herzwasser komme herauf, und noch dazu werde er alsalter Krieger immer zurückgesetzt, gelte nicht so viel wie die jungenLumpen; der liebe Gott solle ihn doch zu sich nehmen. Essenkönne er gar nichts mehr.