Vorwort zur ersten Auflage.
Wer jemals Krankheitsfälle klinisch vorgestellt hat, wird auchden Wunsch empfunden haben, seinen Hörern die Erinnerung andas Gesehene fester einzuprägen, als es das flüchtige, gesprocheneWort vermag. Dieser Wunsch hat mich nach manchen Versuchen,das Ziel auf andere Weise zu erreichen, dazu veranlaßt, in derForm von Vorlesungen auf den folgenden Blättern gewissermaßendie Eindrücke eines klinischen Semesters festzuhalten. Soweit alsirgend möglich, bin ich dabei bemüht gewesen, mit der Darstellungdem wirklichen Gange der Lehrstunden zu folgen. Allerdings mußja das Buch nicht nur auf die lebendige Anschauung der Krankenverzichten, für die dem Schüler nur die eigene Erfahrung in derKlinik Ersatz bieten kann, sondern namentlich auch auf das mäch-tige Lehrhilfsmittel des Praktikanten, dessen kleine Unbeholfen-heiten und Fehler dem Lehrer so oft erst den richtigen Weg fürseine Unterweisung zeigen. Dafür konnte der Stoff hier gedrängter,planmäßiger und vollständiger verarbeitet werden, als das zumeistin der Kinik möglich ist.
Daß ich die diagnostischen Gesichtspunkte durchaus in denVordergrund gestellt habe, entspricht meiner Überzeugung vonihrer grundlegenden Wichtigkeit nicht nur für unser wissenschaft-liches Denken, sondern auch für unser ärztliches Raten undHandeln. Was der Schüler in der Klinik lernen soll, ist, wie ichmeine, neben der Untersuchung des Kranken nicht das Lehrbuch-wissen, das er sich ebenso gut und besser zu Hause aneignenkann, sondern gerade die diagnostische Verwertung seiner Beob-achtungen und die abwägende Beurteilung des gegebenen Einzel-falles. Diese Vorlesungen sollen darum nichts weniger sein, alsein Lehrbuch der Psychiatrie. Vielmehr ist ihr Zweck erreicht,wenn sie als eine Anleitung zur klinischen BetrachtungGeisteskranker gelten dürfen.