Druckschrift 
2 (1864)
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

234

durch seine Seele; er zog rasch den Ring hervor, und beim Schim-mer des Polarsternes, der Heller leuchtete, las er leicht und schnelldas mächtige Wort:

Sk'4kt>// Wollen also?

Sei's! Ich will's! rief er mit Macht aus und sprang im Zornauf, und die Bande des Eises, die ihn gehalten, waren zerschelltworden, leicht und rasch, wie ein Gedanke fleugt. Er ergriff sei-nen Wanderstab: auch den gab das Eis willig los. Jetzt erhobsich die Sonne im Osten und übergoß mit blutigem Scheine dieWände des eisigen Burgvcrließes, in dem er, sich umschauend, be-merkte zu sein. Er steckte den Ring an den Zeigefinger seiner Rech-ten und ballte die Faust, und schritt zu der östlichen Wand, undthat einen gewaltigen Schlag, und mit donnerndem Schall erbrachteund stürzte zusammen das starre Gebäude, und lag in Trümmer»um ihn. Und also stand er da, und überblickte nur einmal »ochdie Merkmale seiner langen Schmach, und weinte nicht, und lachteauch nicht auf; sondern er war ruhig ernst, bereit, Liebe im Busen,Kraft in den Gliedern, die vorgehabte Wanderung anzutreten.

Und die Sonne erhob sich flammend zu ihrem Mittage, undplötzlich schmolzen vor ihren Blicken die zerstreuten Trümmer derEisburg. Da schwang sich ungestüm um Adelbert der Quell de»lebendigen Wassers, und umkreiste ihn in wilder wirbelnder Strö-mung, da ward um ihn entfaltet ein unabsehbares Meer, das bran-dend aufbrauste mit drohendem Getane, und die Wellen, die ringssich thürmten, schienen im Zorne gegen ihn erregt, sich in einanderreißen zu wollen, auf daß sie ihn verschlängen. Und ein Sturmerhob sich vom Meere mit entgegeustreitenden Winden, die alleWolken über sein Haupt häuften. Er stand allein inmitten derSchrecken.

Und ein Windstoß stürmte zu ihm heran, daß er ihn nieder-werfe er stand fest mit seinen Kleidern nur spielte der Sturm,aber die geheimnißvolle Locke, die er in seinem Busen verwahrte,ward ihm entrissen, und der Wind trieb sie über die Fluth hin.Da warf er sich beherzt in die drohende Fluth, uud siehe! sanft