des Stifts rührt von dem kurbrandenburgischen HofastronomenJohann Carion her, der mit seinem Herrn, Kurfürst Joachim I.,nnd dessen beiden Söhnen in der Char- und Osterwoche desJahres 1533 in Halle weilte. Auch der Herzog Heinrich vonBraunschweig und der junge Moritz, der nachmalige sächsischeKurfürst, waren gleichzeitig Albrechts Gäste auf der Moritz-burg. „Da haben wir grosse Pracht und Ceremonien gesehen“,schreibt Carion an den Herzog Albrecht von Preussen J ); „derCardinal hat alle Ämter, als Palmenweihen, Litaneisingen,Messehalten, Taufsegnen selbst persönlich gethan, auch allenMenschen selbst persönlich das Sakrament gegeben, wer esbegehrt hat.“ Auch sonst schildert dieser Humanist mit be-geisterten Worten die Hofhaltung des Cardinais, namentlichaber die märchenhafte Pracht seiner Stiftskirche mit ihremherrlichen Schmucke an Bildwerken und Kreuzen samt denseidenen Ornaten und dem köstlichen Heiligtumsschatze. „Ichhabe,“ so fasst er sein Urteil zusammen, „manchen köstlichenPrunk gesehen, aber keinen diesem gleich. Es war mit derKrönung des Kaisers und seinen Gemachen ein Kinderspielgegen dieses, sage ich bei Glauben.“
Auch ein andrer märkischer Humanist entwirft uns einglänzendes Bild jener Tage. Georg Sabinus weilte auf seinerReise nach Italien, die er im Spätsommer des Jahres 1533antrat, 5 Tage in Halle und schildert in 130 Distichen, waser in Halle gesehen und erlebt hat. Es wurde gerade dasFest der Geburt Mariä gefeiert: Der Cardinal hat selbst ander Procession teilgenommen, unter einem kostbaren Baldachineinherschreitend, inmitten eines langen Zuges von Priestern,Adeligen und Rittern. Als er dann auch selbst sang undbetete, da hiugen aller Augen an seiner wahrhaft fürstlichenErscheinung. Die ersten Räte des Cardinais aber zeigten demDichter die Pracht der Stiftskirche, über die er vor Entzückennicht Worte genug finden kann, sowie die kostbare Menge derHeiligtümer. Auch von den Schätzen der Burg erzählt er, undist über die zuvorkommende Aufnahme, die er gefunden, überausbeglückt a ).
, 1) 23. April 1533. Job. Voigt, Briefwechsel der berühmtesten Ge-
lehrten etc., S. 148.
2) Wir geben den Text über den Hallesehen Aufenthalt nach der ersten