zurück in der Geschichte der deutschen Gotik, so finden wirin der Elisabetkirche zu Marburg (die etwas später angebauteSakristei ausgenommen) überhaupt nur eine Masswerkform.Das Abwechseln zweier Motive aber konnte Schönermark jaschon in der Sakristei unsrer Kirche beobachten, als derenEntstehungszeit er seihst die Mitte des 14. Jahrhunderts ver-mutet. Wenn ferner an den Fenstern der mittlere Pfosten-bogen unter dem Masswerk als Eselsrücken verlaufen soll, somuss allerdings zugegeben werden, dass dieser Spitzbogen zubeiden Seiten ein wenig nach innen eingedrückt ist. DieUrsache davon ist jedoch lediglich darin zu suchen, dass sichdie beiden untersten der 3 Kreise des Masswerks so eng anjenen Pfostenbogen schmiegen, dass sie mit diesem förmlichverschmelzen und so die kleine Eindriickung bewirken. Andie Anwendung des Eselsrückens kann demnach nicht gedachtwerden; warum genössen sonst nicht auch die andern Bögendenselben Vorzug? Übrigens ist die Einbiegung so gering,dass selbst auf der Abbildung eines solchen Masswerks heiSchönermark (S. 223) nichts davon zu bemerken ist. Wohinaber Schönermark durch seine Ansicht über die Entstehungs-zeit der Kirche geführt wird, sehen wir daraus, dass er nichtnur annimmt, dass die das Gewölbe tragenden Consolen sowiesämtliche Werkstücke des Hauptportals der Südwand älterenBauten entnommen seien — wie es ähnlich ja bei späteren Bauten,wie der Residenz, thatsächlich geschehen ist —, sondern dass erauch durch die der Blütezeit der Gotik angehörigen Formender Details an der Sakristei veranlasst Avird, in dieser einealte Kapelle Halles zu vermuten, die Albrecht mit Stumpf undStiel hierher versetzt habe: ein Unternehmen, das wohl inunserm „historischen“ Zeitalter möglich wäre, an das manaber im 16. Jahrhundert nicht denken kann.
Doch Schönermark muss auch selbst immer und immerwieder eingestehen, dass das BauAverk überall an die Früh-gotik erinnere und sich mit der Bauweise der Zeit in Wider-spruch befinde. Die Überwölbung der Kirche, sagt er, „erinnertan die frühgotische Einfachheit der Ausbildung“. „Das Profilder Diagonalrippen und Gurten ist verschieden Avie bei älterengotischen Bauten.“ Bei den Fenstern sind die Profile undMassAverke „möglichst einfach nach frühgotischer Art gebildet“.