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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. V. 3.

nun begann die Arbeit des Hüttenbaues und Urbar-machens. Philadelphia, Stadt der Bruderliebe, wurdedie Ansiedlung genannt und deren deutscher Teil indrei Stadtbezirke geteilt: Kriesheim, Sommerhausenund Crefeld, nach den bedeutendsten Heimatsstätten derdeutschen Einwanderer, welche zusammen German-te-wn, Stadt der Deutschen, hiessen und noch heissen.Die Hauptbeschäftigung der Deutschen in Germantownwaren Ackerbau, Leineweberei und Weinbau, letztererwahrscheinlich durch die Pfälzer eingeführt. Und sowählte denn auch zum Rat hs sie gel für die GemeindeGermantown Pistorius ein Kleeblatt, auf dessen einemdreitheiligen Blatte ein Weinstock, dem zweiten eineFlachsblüthe und dem dritten eine Webefpule abgebildetwaren mit der Inschrift: Vinum, Linum, Textrinum,d. i. Wein, Lein und Webschiff lein."

Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, dassdie Vereinigten Staaten von Nordamerika zwei coneur-rirende Wappenbilder haben, ein Wappenthier und denSchild mit einem regelrechten Heroldsbilde. eine demdeutschen Wappenwesen zu Anfang des 13. Jahrhun-derts ähnliche Erscheinung, die aber ihre ganz selbst-ständigen Ursachen hat.

Die dreizehn Vereinigten Staaten New Hampshire,Massachusetts, Rhode Island, Connecticut, New York,New Jersey, Pennsylvania, Delaware, Maryland, Virginia,North Carolina, South Carolina, Georgia erklärten sich177G für unabhängig von England. Bald darauf, am14. Juni 1777 beschloss der Congress, dass die Flaggeder Vereinigten Staaten aus dreizeln abwechselnd rothenund weissen Streifen bestehen und dass das Unionsfeldauf blauem Grunde dreizehn weisse Sterne enthaltensoll. Der Beschluss wurde erst am 3. September 1777amtlich kundgemacht. Die dreizehn Sterne der Flaggevon 1777 bildeten einen Kreis, doch war diese Formamtlich nicht vorgeschrieben. Die somit angenommeneFlagge blieb unverändert bis 1794, als auf Antrag desSenators Bradley von Vermont, welcher Staat nebstKentucky in die Union aufgenommen war, beschlos-sen wurde, fünfzehn weisse Sterne in das blaue Unions-feld zu setzen und die roth und weissen Streifen auffünfzehn zu vermehren. Am 4. April 1818 wurde einGesetz vom Präsidenten unterzeichnet, welches bestimmt,dass die Anzahl der Streifen auf die ursprünglichendreizehn herabgesetzt werden und die Anzahl der Sterneder Zahl der Staaten in der Union entsprechen solle,immer am 4. Juli nach der Aufnahme eines neuenStaates soll die Zahl der Sterne um einen vermehrtwerden.

Wappen der Vereinigten Staaten von Nordamerika,aus Alwin Zschiesche's Briefmarken-Album, woselbst*)bemerkt wird:Das Wappen der Union ist ein silber-

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ner Schild mit sechs rothen Pfählen und mit einemblauen Schildeshaupte, in welchem so viel silberne Sternestehen, als der Bund Staaten zählt. Der Schild ruhtauf der Brust eines die Flügel erhebenden natürlichenAdlers im blauen Felde, der in der rechten Klaue einenOlivenzweig und in der linken drei Pfeile hält und vondessen Schnabel über seinem Kopf hin ein Spruchbandmit der Devisee pluribus unum" flattert."

In den Wappendarstellungen, und zwar gerade inden amtlich verwendeten, ist das blaue Schildeshauptin der Regel leer, auch ist die Zahl der Pfähle odersenkrechten Streifen eine wechselnde, je nach der Größeder Darstellung. Eine mir vorliegende amtliche Druck-schrift die aus der Government Printing Office zu Was-hington im Jahre 1888 hervorgegangen ist, trägt dasWappen der Vereinigten Staaten mit der Umschrift:Departement of State. United States of America. DerAdler ist heraldisch stylisirt, der Schild zeigt dasleere blaue Schildeshaupt darunter in Silber fünf rothePfähle.

Allerdings ist die Zahl der Einzelstaaten längsteine so grosse geworden 2 ), dass in einer kleinerenWappendarstellung die Menge der Sterne nicht mehruntergebracht werden kann. Er ist daher nicht bloßheraldisch sondern auch politisch richtig die Sterne ganzwegzulassen.

Der Staat Wisconsin führt einen quadrirtenSchild mit dem Schilde der Vereinigten Staaten,von einer Ordensschleife umgeben, als Herzschildim 1. Felde befindet sich ein Pflug, im 2. ein Karstund eine Schaufel schräggekreuzt; im 3. ein halbent-blößter Arm mit einem Hammer, im 4. ein Anker;über dem Schild als Crest (nach englischer Manier)ein Biber darüber ein Spruchband mit der InschriftFonvard; als Schildhalter dienen rechts ein Seemann,links ein Bergmann. Das Wappen wird als Briefkopfund auf amtlichen Publikationen, die mir »vorgelegenhaben, benutzt.

In ähnlicher Weise haben sich auch die übrigenEinzelstaaten Wappen beigelegt.

Auch die einzelnen Abtheilungen der Vereinigten-Staaten Armee hatten oder haben wappenähnliche Ab-zeichen. So hatte die erste Devision des 14. Armee-corps eine Eichel als Wappenbild.

Hiernach wird es mir schwer, zu glauben, dass diein der Note angeführte Geschichte 3 ) mehr ist, als einesogenannte Anekdote, die nicht einmal den Vorzug hat,gut erfunden zu sein, obgleich sie den Zeitungsredac-tionen pikant genug erscheint, um sie in angemessenenZwischenräumen immer wieder in ihrenSpalten" ab"zudrücken.

1) S. 124.

2) Durch Senatsbeschluss vom 8. Februar 1886wurde dhs Territorium Dakota als 39ster Staat aufgcnommen.

3)Die glückliche Ahnungslosigkeit, in welcherBürger der Union über die heraldischen VerhältnisseunseresKontinents des alten" leben, wird treffenddurch folgendes Vorkommnis gekennzeichnet. Ein eng-lischer Lord, der in einer grossen nordamerikanischenStadt der Gesandtschaft zugeteilt worden war, brachteseinen Wagen aus London mit. In Newyork erlittderselbe einen Schaden und musste zum Ausbessern g e *geben werden. Als der Lord nach einigen Tagen in derWerkstatt des betreffenden Wagenbauers vorsprach,um sich zu erkundigen, ob die Reparatur schon be-endet sei, bemerkte er zu seinem nicht geringen Stau-nen , dass mehrere Arbeiter damit beschäftigt waren,sein Wappen auf die verschiedensten Kutschenthürenzu maleh. Zornig fragte er den Wagenbauer, wie e r