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Geschichte der Heraldik. II. 1.
D6 die reinen frowen gvt
Den ritter stolze vn hochgeravtmit kvniclicher wdekeithaten schone vn wol bereit.Eine letzte Gattung der Schilde ist der Kram-schild, ohne Wappenschmuck, auf Vorrath gearbeitet,der von hausirenden Kaufleuten an den Mann gebrachtwurde.
Im Lanzelet (vor 1200) heisst es:2868 er het ein grüenen samitzu einer banier gemacht,mit dem selben was bedahtouch sin ros dem küenener het ein kram schilt gruenendurch die unküude genomen.Ganz ähnlich äussert sich Wolfram von Eschenbachim Parcival.32 5 12 alt herte schilde wol gedign
(ern mochte wie si warn gevar)die brähten koufliute darüf ir soumen, doch niht veile:der wurden im dri ze teileAuch in dem letzteren Falle will der Ritter unbe-kannt bleiben.
Ferner wird von Wolfram v. Eschenbaeh erzählt:702, 12 Parziväl was so bedaht
al sin harnasch er besach.op dem iht riemen gebrach15 daz hiez er wol bereitenunt wünneclichen feiten,unt ein niwen schilt gewinnen:der sin was uze unt innenzerhurtiert und ouch zerslagn:20 man muose im einen starken tragn.daz täten sarjande,die vil wenc er bekande:etslicher was ein Franzeys.Das vorangegangene führt auf die Frage, nachwelchen Verhältnissen sich die Verwendung von Prunk-oder schlichten Richtungen regelt. Herr v. Mayerfelsschreibt über diesen Punkt 1 ;:
„Man darf jedoch ja nicht glauben: es wären alleReiterschilde dieser Periode auf so prächtige Weise„plastisch" ausgeschmückt worden .... Es war damalswie heute noch: Vornehme und Reiche bedienten sichluxuriöser Wappen und Geräthe, während die der An-dern zwar dieselbe Grundform hatten, allein viel ein-facher und roher verziert sind. Die drei hohenlohischenStechschilde in der Herrgottskirche zu Kreglingen ge-ben hiefür am besten Zeugniss."
Ich muss sagen, dass Herr von Mayerfels zur Be-gründung seiner Meinung nicht leicht ein schlechteresBeispiel hätte wählen können. Wenn er die Hohen-lohe zu den „Andern" zählen will, was bleibt dannnoch von vornehmen und reichem Adel in Deutschlandübrig?
Es ist leicht nachweisbar, dass der Schmuck derRüstung nach Gelegenheit: zum urliuge (Krieg),zum Zweikampf; zum Ritterschlag, zur Hochzeit, zumTurnei, zu Hofe — verschieden bemessen war.In der Kudrun heisst es z. B.:
1103 ....
allez was gezieret gen dem urliugeir helme unde ir wäpen si vuorten ritterlich ge-
ziuge
1104 Man ahte bi den Schilden, wie vil ir möhte sin.
Ferner:
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man sagete de höchzit in drien tagen unde in
järes stunden173 Dar zuo sich vlizzen recken, die gerne wolten darsie hiezen würken schilde lieht unde wol gevardar zuo man in bereite satele vil richevürbüege unde zoume bereite man von golde
suberlicheWolfr. v. Eschenbach (1212) Parc. erzählt vomTurnei von Kauvoleis:64 22 „iwer muomen sun ich sachkumende als er ie was fier.ez siut hundert banier25 zuo eime schilde üf grüene veltgestözen für sin hoch gezelt:die sint ouch alle grüene.ouch hat der helt küeneDri bärmin anker lieht gemälüf ieslichen zindäl"65, 1 „ist er gezimieret hie?
ävoy so sol man schouwen wiesin lip den poinder irret."Der Sinn ist der: wenn er „gezimiert" 2 ) ist, sowill er sich an dem Turnei betheiligen.
Conrad v. Würzburg beschreibt im Engelhard einenZweikampf.4678 man seit mir daz si waeren
gezieret wol nach prise.4680 in einer sichten wiseir wäpenkleider wärenwan si niht wolten värenhovelicher dingedurch daz in guot gelinge4685 von gotes helfe würde schin,Dieter ich, der eren schriuder ie sin herze üf triuwe twanc,der fuorte von samite blancdecke und kursit wol gesniten,4690 dar wider kam Ritschier geritenüf einem snellen rosse frech,daz wäpenkleit swarz als ein bechvon brünite was geweben.man sach da weder tier noch rebennoch keiner leie vogel ständiu decke geliche was getan :Ganz anders lautet eine andere Schilderung des-selben Liedes:
2641 Des morgens dö der tac an brachund in diu state dö geschachdaz je der man ein wenic gazdö sach man si gezieret baz2645 aber hin ze velde zogen
als engel waeren dar geflogenüz dem heiligen paradisgeverwet in vil manege wisir liehten schilte waren da2650 der eine rot, der ander blävil wunnecliche erlühteder dritte wizer dühtedanne ein blankez harmvel.da wider schein der vierde gel.2655 nü was der fünfte grüenedie maeren helde kuenefuorten ritterlich gezoc.da schein vil manic wäpenrocder mit golde was durchweben.
1) heraldisches Abc. S. 87.
2) Hier ist nicht — wie Simrock glaubte — dieHelmzier, sondern der Schmuck der ganzen Rüstunggemeint.