Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
763
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Section I. Papierzeug, Pappe, Papier. 768

des Verhaltens der verschiedenen Strohsorten und deren Reactionen zuchemischen Agentien viele für diesen Betriebszweig wichtige Verhält-nisse aufgeklärt, und hat durch Verbesserung der Apparate, sowiedurch zweckmässige Verwendung resp. Verbindung des Strohstoffesmit anderen Papiermaterialien diesen Industriezweig ausserordentlichgefördert, so dass man wohl sagen kann, er hat demselben erst Bahngebrochen.

Der nach dem damals üblichen Verfahren bereitete Strohstoff warindessen nur zu der Herstellung geringerer Sorten von Papier, vorwie-gend Pack- und Einschlagspapier, anwendbar. Die betreffenden Papierewaren kurzfaserig, brüchig, sehr wenig haltbar und ausserdem nichtvon genügend heller Farbe. Es rühren diese Mängel des Fabrikats vonden Nebenbestandtheilen des Strohes her, welche bei jenen Verfahrungs-weisen nicht genügend entfernt werden; sie beeinträchtigen sowohl dieFilzung der Fasern, als auch die Wirkung der üblichen Bleichmittelwesentlich.

Diese Incrustationsstoffe lassen sich durch ein einfaches Auskocbendes Strohes mit alkalischen Flüssigkeiten nicht genügend beseitigen;sie werden indessen von den alkalischen Laugen dann gelöst, wennletztere bei einer über dem normalen Siedepunkte liegenden Temperaturund unter höherem Dampfdrücke auf das Stroh einwirken.

Mellier hatte den glücklichen Gedanken einer solchen Behandlungs-weise zuerst gefasst und ist als der Erfinder der jetzt bereits schonso wichtig gewordenen Methode zur Herstellung von weissem Strohstoffanzusehen. Sein unter dem 7. August 1854 in Frankreich, unter dem2. Mai 1855 in England 1 ) patentirtes Verfahren besteht im Wesent-lichen in Folgendem:

Das von den, beigemengten Püanzentheilen befreite, mittelst einerHäckselmaschine zerschnittene Stroh wird während mehrerer Stundenin Wasser eingeweicht und sodann in einem drehbaren, geschlossenenBehälter mit kaustischer Alkalilauge auf 100 Kg Stroh 16 KgAlkali während einer Zeitdauer von circa drei Stunden auf 310 8 F.,welche Temperatur einem Dampfdrücke von 70 Pfund pro Quadratzollengl, entspricht, erhitzt. Zum Heizen des während des Betriebes rotiren-den Apparates dient ein von gespannten Wasserdämpfen durchströmtesRohrsystem. Mellier hebt hervor, dass stärkere Hitze den Processbegünstigt, dass bei einer höheren Temperatur eine dünnere Laugedenselben Effect, wie bei niederem Druck eine concentrirtere Flüssigkeitausübt. Die auf diese Weise ausgekochte, sorgfältig mit heissem Wasserausgewaschene Masse wird schliesslich mit Chlorkalk gebleicht.

Das von Coupier 2 ) angewendete, demselben in England unterdem 12. März 1858 patentirte Verfahren weicht von dem Mellierschen

B Eep. of pat. inv. E. S. V. 27, S. 260. 2 ) Polyt. Ctrbl. 1839, S. 222.