743
Section III. Photographie.
Das Portraitfaeh bleibt uns noch zu behandeln, welches sich dermeisten Anhänger erfreut und auch mit Rücksicht auf menschlicheSchwächen, darunter nicht in letzter Reihe die Eitelkeit, die meistenAussichten auf Erfolg darbietet. Die Zahl der Aussteller auf diesemGebiete ist Legion; hier können nur die bedeutendsten hervorgehobenwerden. Vor Allem verdienen die Portraits und Genrebilder vonLoescher & Petsch in Berlin Anerkennung durch das sichtliche Stre-ben, den Gegenstand künstlerisch zu behandeln und Person und Um-gebung zu einem wahrhaft harmonischen, echt malerischen Ganzen zuverbinden. Die Sache scheint einfach und leicht und nichts ist in derThat schwerer, als hier das Passende zu finden und das Störende zuvermeiden, denn Formen und noch mehr Farben wirken in der Photo-graphie nach ganz anderen Regeln als in der Natur. Die Ungefügig-keit mancher Modelle, die ungeschickte Wahl des Gewandes und der-gleichen mehr machen die Ausführung der besten Idee oft schwierig,ganz abgesehen von Beleuchtungsmängeln. Im Portraitfaeh entscheidetder Geschmack des Photographen, der es versteht, die jedem Modellpassendste Pose und Beleuchtung auszufinden. Viele Photographensuchen ihre Force mehr in einer glatten Technik, die den Mangel anGeschmack nicht ersetzt, andere wieder in einer zu weit getriebenenAnwendung der Negativretouche, welche, falsch benutzt, das Charakte-ristische vernichtet und nur der Eitelkeit des Publieums schmeichelt.Den Bildern von Loescher & Petzsch kommen nur die schönenGenrebilder von K. Koller in Bistritz und Schöfft aus Cairo nahe,die beide ihre Stoffe aus dem Volksleben ihrer Heimath nahmen. ImPortraitfaeh ragen hervor W. Kurtz in Newyork, Adele; Fritz L uck-hardt und K. v. Jagemann in Wien, J. C. Schaarwächter undTh.Prümm in Berlin, R.Eich in Dresden, Frl. Bieber in Hamburg,Schulz & Slick in Carlsruhe.
Das Stereoskopenfach bietet ausser dem höchst zweckmässi-gen amerikanischen Stereoskop und J. Mos er’s Salonstereoskop (inBerlin) nichts Neues dar. Auf dem Felde der Chemikalien behaup-tetE. Schering in Berlin seinen altbewährten Ruf. Von Appar aten-lieferanten erwähnen wirE.&H.T. Anthony und die Scovill Manufac-turing Company in Newyork, mit höchst praktischen Einrichtungen anStativen, z. B. die Anwendung der Schlangenschraube (Snake scrcw )anstatt der Schraube ohne Ende, ferner des Ebonit für Cassettenfütterung,des Schiebers am letzteren, der Reisekammer etc., die zur Nachahmungsehr zu empfehlen sind. England und Frankreich lieferten an Appa-raten nichts Neues. A. Goldmann in Wien hatte Cameras mit sehrguten Einstellvorrichtungen gebracht. A. Moll in Wien zweckmässigeZelteinrichtungen. Aus Deutschland stellten J. F. S c h i p p a n g & C o. undStegemann in Berlin, sowie Beute & Stolze in Hamburg Apparate