Section II. Graveur- u. Guillochirkunst. Xylographie. 703
In Dänemark nimmt die Xylographie, zuerst fast ausschliesslichdurch Deutsche gepflegt, einen ziemlich hohen Standpunkt ein und dasPublicum ist in seinen Anforderungen streng. C. L. Sandberg hatteein vortreffliches Portrait eines alten Mannes gesandt. J. C.Nielsen,der bis jetzt in London wirkte, sandte Holzschnitte und gute Hoch-ätzungen; mit welchem Hechte er sein Verfahren ein von ihm erfundenesnannte, wissen wir nicht. Die besten Chemitypien auf der Ausstellungwaren vielleicht die von J. M. Petersen in Kopenhagen geliefertenNachbildungen nordischer Alterthümer. Budtz-Müller & Co. gabeneine getreue Reproduktion des ersten von Gott fr. v. Geh men in Dä-nemark gedruckten Buches.
Aus Russland hatten Iwan Stufi, A.F.Regulsky und Sal. Lö-wentliäl (Buchdruckerei und xylographiscke Anstalt, gegründet 1861mit 60 Arbeitern) xylographische Arbeiten gesandt, die von Tüchtigkeitzeugten, wenn sie auch etwas monoton gehalten waren, wozu der Druckwohl das seinige beigetragen haben mag. Zinkographien hatte L. M.Walke witsch geliefert.
Aus Frankreich brachten die Herren Alfr. Marne & fils inTours ein grosses Holzschnittblatt: „Die Grablegung Christi“ nach Tizian,welches als eine interessante Probe eines neuen Verfahrens, Holzschnittein Kreuzschraffirungsmanier, jedoch ohne solche wirklich anzuwenden,zu liefern, dient. Bekanntlich sind die Kreuzschraffirungen dem Holz-schneider ein Dorn im Auge, und das Umschneiden einer Linie vonallen vier Seiten eine zeitraubende und Tüchtigkeit erfordernde, folglichtheure Arbeit. Diese will nun der Erfinder der neuen Methode, HerrGusman, beseitigen; dass es ihm gelingen wird, bezweifeln wir. Erlässt zwei Blöcke bezeichnen, auf dem einen alle die Linien, die vonrechts nach links gehen, auf dem anderen die, welche sich von linksnach rechts ziehen. Auf einander gedruckt, .bilden die Platten anschei-nend eine Platte mit den complicirtesten Kreuzschraffirungen, die mitdenen des Kupferstiches sich messen sollen. Theoretisch klingt diesganz schön, in der Praxis dürfte sich aber die Sache anders gestalten.Abgesehen davon, dass zwei Holzstöcke, zwei Zeichnungen, zwei Schnitteund doppelter Druck nothwendig sind, die Ersparniss also eine sehrproblematische wird, so ist der beabsichtigte Effect schwerlich zu er-reichen und im Voraus zu berechnen. Die beiden Linien vereinigensich nämlich nicht wie in der Radirung, sondern die eine Lage liegtsichtbar über der anderen und bringt oft eine falsche Wirkung hervor;so sieht z. B. das nackte Bein eines der Knienden aus, als wäre es miteinem Strumpfe bekleidet. Wo ein Stich als Vorlage dient, mag esnoch mit der Herstellung der zwei Zeichnungen gehen, wo dies nichtder Fall ist, dürfte diese sehr schwierig und kostspielig werden. Mög-