Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
701
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Section II. Graveur- u. Guillochirlmnst. Xylographie. 701

weniger, als die erstere Kunst ziemlich schwach vertreten war. DieseTheilung macht, dass wir hier nur diejenigen Künstler oder Anstaltenbesprechen können, die es mit ihrer Ehre vereinbar gehalten hatten,sich dem Druckgewerbe anzuschliessen. Wir reihen denselben Diejenigenan, die sich mit den Verfahren beschäftigen, die unter den verschiedenstenNamen, als: Chemitypie, Zinkographie, Pantatypie, Paniconographie etc.alle nach demselben Ziele streben: durch Uebertragung einer Zeichnung,eines Stiches, einer Lithographie etc. auf eine Metallplatte und durchWegätzung aller nicht gezeichneten Theile eine für den Druck auf derBuchdruckerpresse geeignete Hochdruckplatte zu schaffen. Die Utopie,den Holzschnitt zu verdrängen, ist wohl längst als ein überwundenerStandpunkt zu betrachten. Die eigenthümlichen Vorzüge des Holz-schnittes sind-der Art, dass er stets in Ehren gehalten werden wird.Aber der Holzschnitt ist auch gegen seine Natur zu manchen Arbeitenverwendet worcfen, wozu er sich nicht eignet und diese wird er gernder Zinkographie übörlassen. Als solche sind zu nennen: Karten, Pläne,Schriftarbeiten, Umrisse und dergleichen, für diese eignet sich dieZinkographie besonders und wir haben schon in der ersten Abtheilungdieses Berichts Gelegenheit gehabt, manche vortreffliche Reproductionenälterer Druckwerke in dieser Manier hervorzuheben. Auch für leichteskizzenhafte Zeichnungen, wo die Herstellung von Holzschnitten zutheuer oder zu zeitraubend sein würde, ist die Zinkographie von grossemWerth. Es werden deshalb beide Verfahren leidenschaftslos neben ein-ander wirken können; solche Coneurrenzen schaden nicht, sie vergrössernnur das Feld der Wirksamkeit.

Aus Deutschland haben wir nur eine xylographische Anstalt alsAusstellerin zu erwähnen, die von R. Brend’amour & Co. in Düssel-dorf, mit Filialen in mehreren Städten. Sie liefert vieles Vortreffliche,namentlich in strengerer Richtung, und meint es ehrlich mit der Kunst,trotzdem, dass sie auch versteht, diese geschäftlich auszubeuten. Hättenwir übrigens nicht gewusst, was in ihrem Rahmen zu finden war, so hättenwir es vielleicht auch nicht gefunden; Holzschnitte muss man in einemBuche oder Album sehen, nicht hochgehängt unter Glas und Rahmen.

Diejenige deutsche Anstalt, welcher vielleicht der erste Rang fürihr wahrhaft künstlerisches Streben gebührt, Ad. Closs in Stuttgart,war nicht direct vertreten, ihre Arbeiten in den Verlagsartikeln derStuttgarter und anderer Verleger um so öfter.

Die Chemitypie wurde in den vierziger Jahren nach Deutschlanddurch den Dänen Piil gebracht, schlief jedoch bald wieder ein. Im Jahre1870 überraschten die Herren Gäbler & Schönert in Leipzig die zurMesse anwesenden Buchhändler und Buchdrucker mit einem Probeheftevon Nachbildungen von Lithographien in Kreidemanier und in Gravi-rung etc,, die durch ein. chemisches Verfahren von einem Abdruck zum