696 Gruppe XII. Graphische Künste.
Ilaas’sche S cli r if t g i e s s e r ei, ihrer Zeit eine der berühmtestenSchriftgiessereien Europas, lieferte gegossene Schriften und auch eineGiessmaschine; J. J. Güller aus Hüttikon Stahlstempel, Numerir- undStempelpressen. Die Schweizer zeigten ihre Kunstfertigkeit in Flach-gravirungen nur in der Herstellung von Uhrgehäusen; Landschaftenund Figuren sind im Stiche sehr rein, jedoch etwas nach der Schablonegearbeitet. Zu nennen sind die Genfer Firmen J. Bonnet & Co.,E. Briffaud und J. Sokoloff. Bowy hatte einige schöne Modellefür Medaillen und Reductionen mittelst Maschine gesandt.
Der Aufschwung der Schriftgiesserei in Oesterreich ist erst neue-ren Datums und die bedeutendsten dortigen Geschäfte sind ursprünglichFilialen von Schriftgiessereien in Deutschland gewesen, so z. B. Meyer& Schleicher (früher Scheiter & Giesecke), die grösste GiessereiWiens, die jedoch nicht ausgestellt hatte. Wie in Deutschland, so habenauch in Oesterreich viele der ausstellenden Buchdruckereien, z. B. Bohe-mia, Fromme, die Ilof-und Staatsdruckerei, v. Waldheim,Zamarski, Engel u. s. w., Schriftgiessereien, was in Frankreich, Eng-land und Amerika weit seltener der Fall ist. Neben einigen Lichtseitenhat das deutsche System auch seine bedeutenden Schattenseiten, weildie Schriftgiesserei ein Geschäft ist, das eine so minutiöse Aufmerk-samkeit auf das technische Detail erfordert, dass es mit Erfolg nichtwohl nebenbei getrieben werden kann. Da diese Giessereien in derRegel auch nur für die schnellste Deckung der eigenen Bedürfnisse desHauses arbeiten und demzufolge seltener die Initiative ergreifen, so istes auch weniger nöthig, sich hier länger bei ihnen aufzuhalten; siestellten fast alle nur nebenbei als Schriftgiesser aus und wurden heider Besprechung ihrer Buchdruekarbeiten erwähnt.
Von Wiens eigentlichen sogenannten Lohnschriftgiessereien, welcheim Prater vertreten waren, haben wir zu nennen: J. H. Rust & Go.(Offenbach und Wien; gegr. 1856, 100 Arbeiter), welche zuerst dasPariser System in Oesterreich einführten. Mit ihrer „Bandeinfassung“haben sie einen sehr glücklichen Griff gethan und selten hat wohl eineOrnamentirung schneller die Weltreise vollendet. Ein Tableau vonViertelpetitlinien verdiente Beachtung. Die Schriftprobe ist reichhaltig,namentlich an Zierschriften, darunter die beliebte breite Italienne, Mono-gramme und dergleichen. Die Firma steht in einem lebhaften Verkehrmit Nordamerika und producirt jährlich für etwa 200 000 Gulden; sieverkauft auch, wie mehrere Giessereien Wiens, Utensilien aller Art,P oppelbaum & Bossow (früher Filiale von B.Kr ebs in Frankfurt a. M.),ein rüstig strebendes Geschäft, stellte Schriften und Stempel, galvanischeCliches und Matrizen, darunter Unterdrucktypen auf Brillantkegel, aus,um deren Satz die Finger der Setzer nicht zu beneiden sind. Da dieseTypen nicht zum directen Druck, sondern zur Anfertigung von Unter-