Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
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1). Seide ii waaren.

Unter den Textilindustrien, welche ihre verschiedenen Producteauf der Weltausstellung von 1873 in Wien zur Anschauung brachten,ist wohl kaum eine zweite zu nennen, welche scheinbar so geringe Fort-schritte seit der letzten Pariser Ausstellung von 1867 aufweist, wie dieSeidenfabrikation. Für das Auge des gewöhnlichen Beobachters hatsie in allen den Ländern, wo sie als wirkliche Industrie betrieben wirdund nicht als Treibhauspflanze, als Spielerei von Corporationen oderEegierungen existirt, kaum irgend eine Verbesserung erfahren. Seit-dem die herrschende Mode in den letzten Jahren den Verbrauch aneinfachen Geweben entschieden begünstigt, seitdem das gemusterte Fa-brikat in den meisten Seidenstoffen, namentlich aber für das Frauen-kleid vernachlässigt blieb, erscheint die Fabrikation von Seidenstoffen,mit welcher man ja die Vorstellung des Kostbaren, Prächtigen und indie Augen Fallenden verbindet, eher im Rückschritt als im Fortschrittbegriffen. Die Klagen über Unsolidität der Seidengewebe, so allgemeinwie begründet, hervorgerufen durch künstliche Erschwerung der Seidein der Farbe, unterstützt jenes Urtheil des grossen Publicums. Unddoch ist für den aufmerksamen Beobachter, den Kenner dieser Industrie,ein allgemeiner Fortschritt in vielen Branchen derselben innerhalb derletzten sieben Jahre zu constatiren, der um so bemerkenswerther wird,je mehr er durch Verhältnisse erschwert wurde. Zu keiner Zeit hatdie Seidenfabrikation eine solche Ausdehnung wie innerhalb jenes Zeit-raumes erreicht, zu keiner Zeit aber stellten sich dem Fabrikanten die-ser Artikel durch die Unvollkommenheit des Rohmaterials, nicht minderdurch die Schwierigkeit in den Arbeitsverhältnissen grössere Hinder-nisse in den Weg.

Gerade das Uni-Gewebe, wie es die Mode forderte, erheischt denvollendetsten Rohstoff, die beste Verarbeitung desselben; es waren aberdie Folgen der schon lange Jahre andauernden Krankheit des Seiden-wurmes, und der dadurch verfehlten europäischen Seidenernten nochkeineswegs beseitigt; daher blieb die Gewinnung guter Seiden nochimmer ausserordentlich schwierig.

Wiener Weltausstellung. I,

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