Dritte Section.
1 e i n e n w a a r e n.
Wie die Wollwaarenindustrie ist auch die der Leinenwaaren eine ur-alte, in den Ländern Mitteleuropas vorzugsweise heimische. In ersterLinie auf inländischen Rohstoff angewiesen, dessen Oultur einen wichtigenZweig der Landwirthschaft bildete, der von weiblichen Gliedern des Hausesauf einfachen Geräthen versponnen und in den nämlichen Kreisen verwebtwurde, blieb sie bis in die späte Zeit fast auschliesslich Hausindustrie,und zwar eine ländliche Hausindustrie, da die zur Vollendung der Gewebenöthige Bleiche wiederum auf demLande ausgeführt werden musste. Esvollzog sich bei dieser Industrie die Uebersiedelung in die Städte weitspäter als bei anderen, besonders bei der Wollwaarenindustrie, und inFolge davon sehen wir sie viel länger dem Haus- oder Kleingewerbeanheimgegeben als ältere städtische, sich dem Grossbetriebe zuwendendeFabrikationen. Dazu kommt, dass die Leinenindustrie ziemlich ein-facher Natur ist, vornehmlich weisse Qualitäten arbeitet und demMusterfache geringen Spielraum bietet, ihre Artikel grösstentheils fürden soliden langdauernden Gebrauch bestimmt sind und deshalb inZeiten misoliden Geschäftsverkehrs mit Vorzug gern von’der vorsichti-gen Hausfrau seihst gefertigt wurden. So blieb die Handspindel inder Flachsspinnerei länger in Herrschaft, als bei der Wolle und Baum-wolle; es fehlte der Impuls, den das Bediirfniss auf allen Gebieten demErfindungsgeiste geben muss. Der napoleonischen Continentalsperre,die unsere Technik mit so mancher wichtigen Erfindung beschenkt hat,war es Vorbehalten, auch auf diesem Gebiete anregend einzuwirken; derAusschluss der durch England bezogenen Baumwolle vom europäischenContinent gab dem Flachs erhöhete Anwendung und veranlasste Napo-leon zur Ausschreibung eines Preises von 1 Million Francs auf die Er-findung einer Flaclisspiimimaschine. Das Problem wurde im Jahre