502 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs - Industrie.
welchen die Chemiker Graebe und Li eher mann durch die Entdeckungdes künstlichen Aliaarins aus Anthracen gemacht haben. Das künst-liche Alizarin hat in der kurzen Zeit seitdem es bekannt geworden,schon den grössten Erfolg gehabt. Es ersetzt vollständig den Krapp,ist bedeutend billiger als dieser und widersteht gleich ihm dem Ein-flüsse des Lichtes und des Wassers. Da dieser Farbstoff in der Fabri-kation viel einfachere und weniger kostspielige Manipulationen erfordert,und dabei grössere Solidität besitzt, wird er schon jetzt fast in allenFäi’bereien und Druckereien statt des Krappes verwendet.
Die Wiener Weltausstellung hat uns Fabrikate aus künstlichemAlizarin in grosser Vollkommenheit und in den verschiedensten Artenvorgeführt. Bisher ist es fast ausschliesslich Deutschland, welches dieFabrikation des künstlichen Alizarins in grossem Maassstabe betreibt,und das Ausland mit diesem Artikel versorgt.
Die Betheiligung der einzelnen Staaten an der Ausstellung in derdurch den officiellen Katalog angegebenen Reihe war die folgende:
Vereinigte Staaten von Nordamerika. Die BaumwollindustrieNordamerikas hat seit dem letzten Kriege, geschützt durch einen fastprohibitiv wirkenden Zoll, einen ausserordentlichen Aufschwung genom-men, wie schon aus dem sehr bedeutenden Verbrauche von Baumwolle,den die officiellen Listen nachweisen, und nicht minder aus der Zahlder Spindeln, welche auf fast 9 Mill. — die bei Annahme von Nro. 28als Durchschnitt circa 45 Zollpfund Garn liefern — angegeben wird,hervorgeht; auch ist uns bekannt, dass Fabriken in einer in Europakaum gekannten Ausdehnung und Grösse dort errichtet sind. Indessgab uns die -Wiener Weltausstellung nur sehr geringe Veranlassung,den Stand dieser Industrie in jenem Lande zu beurtheilen. Es hattennur wenige Fabrikanten in der Baumwollentextilindustrie die WienerAusstellung beschickt, und die von ihnen vorgeführten Waaren bestan-den meist in Shirtings, Velvets und anderen gewöhnlichen baumwollenenGeweben. Dieselben waren nicht geeignet, besondere Aufmerksamkeitauf sich zu ziehen und die thatsächlich grosse Bedeutung der amerika-nischen Baumwollenindustrie gerade in geringeren Qualitäten zu bekun-den. Dags in feineren Stoffen ihre Leistungen noch nicht ausreichen,sondern die Einfuhr trotz der Zölle' ansehnlich bleibt, ist bekannt. Esunterliegt jedoch keinem Zweifel, dass die Baumwollindustrie in Amerikaeiner noch grösseren Zukunft entgegengeht und wahrscheinlich in nichtzu ferner Zeit auch in Europa mit ihren Fabrikaten erscheinen wird.
Brasilien. Die Baumwollindustrie dieses Landes ist noch in derersten Entwickelung begriffen und als eine ganz junge zu bezeichnen.Die Maschinengespinnste werden fast ausschliesslich importirt, im Landeselbst werden aus inländischer Baumwolle Handgespinnste gefertigt.