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1 (1874)
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Gruppe VI. Leder- und Kautschuk-Industrie.

Oesterreich verwendet zum Gerben seiner Sohlleder in den letz-ten Jahren zwar mehr Eichenrinde, als in früheren Jahren, das Haupt-gerbemittel bleibt' aber nach wie vor der Gerbestoff der Knop-pern. Das mit Knoppern erzeugte Leder hat eine graugrünliche Farbeund kommt in Bezug auf Festigkeit und Härte dem deutschen Sohl-leder gleich. Wer elastische Sohlen liebt, der bleibe dem Knoppern-leder fern.

Im Allgemeinen ist das Verfahren in den Gerbereien Oesterreichsein rascheres als bei uns.

Unter den ausgestellten Sohlledern sind hervorzuheben die vonSigmund Flesch & Co. in Unter-St. Veit bei Wien, E.Bloch & Söhnein Brünn, Adolph Flesch in Brünn, Carl Bosch in Wien, JakobGerlack & Söhne in Wien, Joseph Keinz in Wien, Jos. Salzerin Wien, Adalbert Lasseker in Brünn, Tosi di Cesare Gau-denzio in Scariano bei Goerz. Die erstgenannte Firma erhielt dieFortschrittsmedaille, die anderen die Verdienstmedaille.

Eichensohlleder war nur durch Franz Schmitt in Krems zurAusstellung gebracht. Dieser intelligente Gerber hat das Verdienst,in Oesterreich-Ungarn zuerst die Eichenschälung einzuführen, und sei-nen unablässigen Anstrengungen ist es zuzuschreiben, dass die Culturder Schälrinde die jetzige grosse Ausdehnung in diesen Landen genom-men hat. Es wird behauptet, dass Deutschland aus Ungarn über200 000 Centner Eichenrinde jährlich beziehe. Die von FranzSchmitt ausgestellten Leder kommen den besten der Ausstellung gleich.

Noch sind zu erwähnen die Sohl- und Vacheleder von JosephPoeschl’s Söhne in Bohrbach bei Linz. Diese Fabrikanten verfah-ren beim Beschneiden und beim Gerben der Leder mehr nach demenglischen Systeme. Das Product ist ein vorzügliches und kann dieGerberei trotz ihrer bedeutenden Ausdehnung kaum den dringendstenBestellungen genügen, so sehr gesucht sind ihre Fabrikate.

Ungarns Leder ist dem österreichischen ähnlich. Zu den erstenFirmen gehören: die Ungarische Lederfabriks-Gesellschaft inPest, Paul Marko in Miskolcz, Joseph Marko in Bosenau und dieAgramer Lederfabrik. Vorzügliches Eichensohlleder brachtenAdolph Schmitt in Gross-Bosson, früher Theilhaber der Firma Ge-brüder Schmitt in Krems.

Russland war in der Sohllederbranche durch Stanislaus Pfeif-fer in Warschau gut vertreten.

Auch Dänemark, Schweden und Norwegen zeigten unsgutes Sohlleder; in Gerbung und Qualität dem deutschen Fabrikateähnlich.