Section I. Leder. Kalb-, Rind- und Rossleder etc. 371
Länder zur Seite gestellt werden kann. Eine Präponderanz aber übtDeutschland in diesen Sorten nicht aus.
Es freut uns constatiren zu können, dass in der Gerbung wie Zu-richtung der braunen und gewichsten Kalbleder so wesentliche Fort-schritte gemacht wurden, dass wir behaupten dürfen: manche Fabrikateseien auch in der Qualität, nicht mehr im Preise allein, dem fran-zösischen Erzeugnisse concurrenzfähig. Ueberall zeigt sich einegrössere Sorgfalt beim Ausrecken und Auswaschen der Leder unddie allgemeine Anwendung einer besseren Lederschmiere. Der Thran,der das Leder nach kurzem Lager durch Harzausschwitzungenunansehnlich und unverkäuflich macht, ist endlich aus den deutschenGerbereien, wo er viel Unheil angerichtet, gänzlich verbannt, und durchdie bis jetzt einzig bewährte . Lederschmiere, das Degras, ersetzt wor-den. Dieses Fett, dem Frankreich zumeist seinen guten Ruf für seineWichsleder verdankt, und früher nur aus diesem Lande bezogen wer-den konnte, wird jetzt auch in Deutschland in ebenso guter Qualitäthergestellt.
Ein günstiges Gesammtbild der deutschen Lederindustrie gab unsdie Collectivausstellung der Gerber von Mühlheim an der Ruhr durchihre schwarzen genarbten Verdeckleder, schwarze und braune Zeug-leder, Riemenleder und schwarze Rossleder. Unter" dieser Mannig-faltigkeit von Fabrikaten nehmen die Yerdeckleder den ersten Rangein. Mühlheim ist berühmt durch diesen Artikel und versieht damitganz Deutschland und theilweise auch Oesterreich. Für den Ruf diesesIndustriezweiges mag ein kleines Curiosum sprechen: Ein Aussteller
aus dem fernen Osten wollte nach Wien nur Ausgezeichnetes liefernund da sein eigenes Yerdeckleder nicht dieser Anforderung entsprach,sandte er das Beste was seiner Erfahrung nach die Welt macht: eineMühlheimer Haut. Die Jury konnte kaum der Versuchung wider-stehen, auch Mühlheim im Orient durch eine Medaille zu ehren.
Von den Mühlheimer Ausstellern wurden durch die Verdienst-medaille ausgezeichnet: FriedrichBunger fr*, HeinrichCoupienneund Carl Ibing. Das Anerkennungsdiplom erhielten: Gustav
&Rickard Becker, Friedrich Richter & Co., WilhelmRührundGustav Schürmann. Die gleiche Auszeichnung erhielt J. F. Schlayerin Reutlingen für seine schwarzen Blankleder. Derselbe hattenoch gelbe und braune Zaunhäute und Schweinshäute zur Ausstellunggebracht.
Die schon rühmlichst erwähnte Actiengesellschaft für’Leder-fabrikation in München brachte eine reiche Auswahl schwarzer,naturfarbiger und braun gefärbter Leder für Pferdegeschirr und Sattler-arbeiten von ganz vorzüglicher Gerbung und vollendeter Zurichtung,ebenso helle naturfarbige Schweinshäute von untadelhafter Reinheit.Es werden diese Ledersorten von keiner anderen Firma der Ausstellung
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