Druckschrift 
1 (1874)
Entstehung
Seite
369
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Section I. Leder. Alaungares Leder. 309

Italien war durch einen Fabrikanten, J. Morpurgo & Co.in Udine, recht gut vertreten.

Was von Spanien und Griechenland und einigen anderen Län-dern in Alaunleder zur Ausstellung gebracht wurde, ist nicht der Er-wähnung werth.

Wenn wir nun von der Handschuhfabrikation, deren Producte eineranderen Gruppe angehörten, absehen, so können wir für den verbleiben-den wichtigen Artikel: alaungares Kidkalbleder, uns kurz dahin fassen,dass auf der Ausstellung Deutschland keinen würdigen Concurrentenhatte. Seine Fabrikate überwiegen an Güte der Qualität die aller anderenLänder. England, das früher Ausgezeichnetes in Kalbkid producirteund noch producirt und uns Deutschen vielfach als Lehrmeister diente,hat die Fabrikation nach und nach vermindert und deckt seinen sehrgrossen Bedarf zum grösseren Theil durch deutsches Fabrikat.

Die Vereinigten Staaten beginnen in letzterer Zeit hinter ihrerSchutzzollschranke dem eigenen Fabrikate grössere Aufmerksamkeit zu-zuwenden und werden bei der Energie, die den Amerikanern innewohnt,sehr bald dahin gelangen, das deutsche Product von ihrem Markte fernzu halten. Frankreich begnügt sich für seinen eigenen Bedarf mitdem vaterländischen Producte, trotz seiner wenig guten Qualität; esentschliesst sich nur nothgedrungen und in seltenen Fällen, deutscheHilfe in Anspruch zu nehmen. Alle anderen Länder sind uns treueKunden geworden und werden es auch für die nächste Zeit bleiben.

Wir haben in unserem Berichte versucht, jede Ledersorte getrenntzu behandeln und werden diesem Plane auch ferner so viel als möglichtreu bleiben, obgleich wir gegenwärtig vor einer Ledersorte stehen,die nur von wenigen ausschliesslich fabricirt wird. In Deutschlandund auch in vielen Nachbarländern, in Frankreich vielleicht ausgenom-men, liegt in jedem Gerber nicht so sehr das Streben, viel zu produ-ciren, als die grosse Liebhaberei, Vielerlei zu machen. Dieser Eigen-tümlichkeit huldigen unsere grossen Fabrikanten eben so sehr, wieunsere kleinen Gerber, die nur mit wenigen Gesellen arbeiten. Siewäre eine tadelnswerthe, wenn nicht der Erfolg gezeigt hätte, dass beigrossem Fleisse und Achtsamkeit es auch möglich ist, das Vielerlei gutherzustellen. — Unsere Nachbarn, die Franzosen, schlagen ein anderesVerfahren ein; jeder Gerber in diesem Lande wirft sich auf eine Spe-cialität, wobei es viel leichter wird, in seinem Fache gross zu werden,als bei der in Deutschland üblichen Zersplitterung der Kräfte. DieFranzosen sind so weit gegangen in der Trennung der einzelnen Bran-chen, dass in früheren Zeiten sogar das eigentliche Gerben allgemeingetrennt war von dem Zurichten.

Noch heute kauft mancher Lacklederfabrikant die zum Lackirenbestimmten Felle in gegerbtem Zustande von dem Gerber, lässt sie vonWiener Weltausstellung. I. ' 24