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Gruppe YI. Leder- und Kautschuk-Industrie.
A1 a u n g a r e s Leder.
Diese Leder sind nicht mit Gerbstoff oder Tannin gegerbt, sondernmit Alaun, dem bekannten Doppelsalze aus schwefelsairrem Kali undschwefelsaurer Thonerde imprägnirt. Zu dieser Kategorie gehören dieeinfachen Erzeugnisse der althergebrachten Weissgerberei: die so-genannten weissen Schaffelle sowohl wie die in der neueren Zeit zuerstzur Anwendung gekommenen Kidleder für Schuhzwecke, deren Dar-stellung eine äusserst schwierige ist. Ferner zählt hierher der wichtigeZweig der Lederfabrikation: das Handschuhleder. Die vierte Art, dassogenannte ungarische Leder, alaungare und mit Fett geschmierteHäute für billige Geschirre, hat aufgehört ein Fabrikationsartikel desWeltverkehrs zu sein. Das Wenige, was der Landmann für seineGeschirre braucht, liefert ihm das nächste heimische Städtchen.
So einfach die Darstellung der weissen Schafleder ist, so complicirtist die der übrigen Artikel. Zur Bereitung dieser Ledersorte sindausser Alaun eine grosse Menge von Eidotter, feinstes Weizenmehl undKochsalz erforderlich J ); die allgemein verlangten Eigenschaften einesguten Alaunleders sind: ausserordentliche Weichheit, grosse Elasticität,zarte glatte Karbe und Haltbarkeit. Und wirklich ist es auch denbesseren Fabrikanten gelungen, dem Leder diese, verschiedenen Eigen-schaften zu geben. — Eine schlimme Eigenschaft zeichnet das Alaun-leder vor allen anderen Ledersorten zu seinem Nachtheile aus. Dieseist, dass es dem Einfluss der Feuchtigkeit nicht zu widerstehen vermagund durch Wasser in seiner Structur gänzlich zerstört wird.
Mit Stolz können wir auch hier mit Deutschland beginnen; dennin der Fabrikation der Kidkalbleder nimmt das deutsche Reich unbe-dingt den ersten Rang ein. Der Ursitz dieses an sich sehr jugendlichenSprosses der Lederindustrie ist nicht, wie bei den vorher besprochenenArtikeln, das Rheinland, sondern Bayerns Haupt- und ResidenzstadtMünchen. Einer der Mitbegründer dieser Branche, dessen Fabrik inMünchen in die Hände einer Actiengesellschaft übergegangen ist, warleider auf der Ausstellung nicht vertreten. Dagegen aber viele seinerJünger, die den Meister völlig erreicht haben.
Zuerst haben wir zu nennen die mit der Fortschrittsmedaille aus-gezeichneten Münchener Bronberger & Seiller, deren Kalbkid wohl
! ) Es ist hier nicht unerwähnt zu lassen, dass durch die wahrhaft aus-gezeichneten Untersuchungen Pr. Knapp’s in Braunschweig über die Theo-rie und Praxis der Herstellung der alaungaren Leder der Fabrikation dieserLedersorte wesentlich Vorschub geleistet wurde.