88 Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873.
halb Deutschlands,'eine Ausstellung mit solchen Opfern von Landes-wegen gefördert worden.
Die Aufgaben der Cassenverwaltung der Centralcommission be-schränkten sich nicht lediglich auf Operationen mit den aus der Reichs-casse ihr. zufliessenden Mitteln. Nach Lage der Verhältnisse war esunvermeidlich, eine grosse Anzahl von Ausgaben, die theils den Lan-descommissionen, theils auch unmittelbar einzelnen Ausstellern zurLast fielen, vorerst aus Reichsmitteln vorschussweise zu decken. Somusste die Commission, über ihre eigentliche Aufgabe hinaus, in ihrerCasse auch eine Zahlungs- und Abrechnungsstelle schaffen für durch-laufende Ausgaben von sehr bedeutendem Umfange und von der aller-verschiedensten Art. Und da ferner nur ein Theil aller Verausgabungenam Sitze der Centralcommission, ein anderer dagegen am Ausstellungs-platze selbst zu erfolgen hatte, wofür man den Weg bankmässigerVermittelung benutzte, so ergab sich eine weitere, beträchtliche Ver-mehrung der Geschäfte. Airf diese Weise waren die gesammten Buchun-gen der C$sse bis zum Schlüsse des Jahres 1874 in der Einnahme wiein der Ausgabe auf mehr als neun Millionen Mark gestiegen.
Rückblick.
33.
Mit der Thatsache, dass die Wiener Ausstellung die Erwartungender Welt unerfüllt gelassen hat, ist ihr Urtheil noch nicht gesprochen.Alle daraus entsprungenen Enttäuschungen haben nicht verhindert,tiefgehende Anregungen aus ihr zu entnehmen, unter deren befruch-tender Bewegung namentlich der deutsche Gewerbfleiss steht.
In Deutschland war der jüngste Aufschwung der Gewerbe nichtnach allen Seiten ein gesunder gewesen. Während der Umfang derProduction in fast wunderbaren Verhältnissen sich entwickelte, gewannkeineswegs in gleichem Maasse ihr innerer Werth, vielmehr sah manin vielen Gewerbszweigen Tüchtigkeit der Arbeit allmälig zu einer An-forderung untergeordneter Art erniedrigt werden. Die unausbleib-lichen Folgen warfen schon ihre Schatten auf den deutschen Markt, alsdie Wiener Ausstellung kam, um die damit verknüpften Gefahrenzu enthüllen.
Nach anderer Richtung hin litt das deutsche Gewerbe unter nichtminder bedenklicher Vernachlässigung. Seitdem in den letzten Jahr-zehnten Kunstsinn irnd Geschmack ein erweitertes Herrschaftsgebietgewonnen hatten, war das Ausland mit Glück an die Aufgabe getre-ten, ihren Anforderungen auch in den Gewerben Geltung zu verschaf-fen. Deutschland, dieser Bewegung fremd, sah sich sehr bald in der