Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873. 7
bestimmen. Die Ausstellung wurde nicht im Namen des gesammtenEeicbes, sondern nur der westlichen Reichshälfte unternommen. Di«Länder der ungarischen Krone betheiligten sich zwar lebhaft, aber sienahmen Theil in der Rolle der übrigen fremden Nationen. Die Kostendes grossartigen Werkes hatte demgemäss Oesterreich zu tragen; dieStaatscasse sah sich indess durch Garantieverpflichtungen unterstützt,welche mit grosser Bereitwilligkeit und in beträchtlicher Höhe für denFall ungenügender Einnahmen von einzelnen Personen und von An-stalten übernommen worden waren.
Dass der Schwerpunkt der Ausstellung somit vollständig in denWesten der Monarchie fiel, kam wesentlich ihrem deutschen Charakterzu Statten.
Der Plan des Unternehmens bat sich erst im Laufe der Durchfiihrung zu der Grossartigkeit entwickelt, wodurch die Wiener Auf-stellung vor allen früheren internationalen Ausstellungen hervorragt.Aber schon in dem anfänglich vorgezeichneten Umfange durfte er sichmit den Plänen der letzteren messen. Er umfasste im Allgemeinendas Feld der früheren Ausstellungen. Ausnahmelos war auf ihnenneben dem Gewerbfleiss auch die Landwirthseha.ft und Kunst zur Ver-tretung gelangt. Indessen hatten früher die letzteren beiden Cultur-gebiete nur als Nebensache gegolten und erst allmälig eine selbst-ständige Berechtigung errungen. In Wien war es das erste Mal, dassihre gleichberechtigte Stellung auch in dem Plane zum vollen Ausdruckgelangte. Insbesondere von der Landwirthschaft ist dies zu sagen.Soweit die Natur ihrer Erzeugnisse eine Vertretung auf grösseren Aus-stellungen überhaupt gestattet, war sie in dem Programme vorgesehen;zwei wichtige Gebiete derselben, Gartenbau und Viehzucht, fanden,nachdem die letzte Pariser Ausstellung sie zum ersten Male in denRahmen einer internationalen Ausstellung hineingezogen hatte, docherst in dem Wiener Programme eine erschöpfende Berücksichtigung.Die Lücken, welche die Hauptausstellung nach der Natur der land-wirtbschaftlichen Erzeugnisse enthalten musste, suchte man durch so-genannte temporäre Ausstellungen, welche in bestimmten Zeitensich folgten, angemessen auszufüllen. So schlossen sich an die Haupt-ausstellung vier Ausstellungen lebender Pflanzen, eine Pferdeausstel-lung, eine Ausstellung von Rindvieh, Schweinen und Schafen und eineAusstellung kleinerer Thiere an.
Jede der internationalen Ausstellungen hatte bis dahin den Nutzenund Reiz ihrer Vorgängerinnen durch neue Ideen und Schaustellungenzu steigern versucht, — wenn auch selten mit Vortheil für die bethei-ligten Interessen, so doch nicht ohne Erfolg für sich selbst. Wien wardieser Neigung nicht fremd geblieben. Aber in anerkeunenswertherWeise war es beflissen, den höheren Werth der Ausstellung in einenhöheren geistigen Gehalt zu legen. Es suchte die wirthschaftliche.