Druckschrift 
2 (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

IX. Das Rindvieh.

Berichterstatter: Dr. W. Fleischmann in Lindau.

Die temporäre mit der Weltausstellung verbundene Thierausstellungwar unstreitig eine grossartige und bot dem Beschauer in ihrem äus-serst reichhaltigen Material eine eben so werthvolle als seltene Gelegen-heit zu interessanten und lehrreichen Betrachtungen. Leider blieb dieDurchführung der Ausstellung in vieler Beziehung hinter den Erwar-tungen, die man zu hegen wohl berechtigt war, weit zurück. Amunangenehmsten machte sich die völlig planlose und zweckwidrige Auf-stellung des Rindviehs fühlbar, weil sie die comparative Musterung derThiere ungemein erschwerte. Ueberhaupt trug, um es kurz zu sagen,das ganze Unternehmen der Thierausstellung vom Anfang bis zum Endeden Stempel der Hast und Ueberstürzung unverkennbar an sich, weshalbman sich auch darüber nicht wundern darf, dass alle früher bei ähnlichenGelegenheiten an anderen Orten gemachten Erfahrungen vollständigignorirt worden waren. Für die Wissenschaft ging ein bedeutenderGewinn, den ihr die Ausstellung hätte einbringen können, dadurchverloren, dass man es unterliess, vergleichende Untersuchungen hin-sichtlich der Milchergiebigkeit und Qualität der Milch sowie des durch-schnittlichen Lebendgewichtes und der Körperdimensionen der sehrzahlreich vertretenen verschiedenen Racen, Stämme und Schläge aus-zuführen. Wie über der ganzen Weltausstellung, so schien auch überder Thierausstellung ein verhängnissvollerUnstern zu walten: bis kurzvor Eröffnung derselben hatte sich nämlich die Rinderpest in verschie-denen Kronländern der österreichisch-ungarischen Monarchie gezeigt,und wenn sie auch thatsächlich bis Ende Mai dort überall als erloschenbetrachtet werden durfte, so waren doch die nachtheiligen Einflüsse,welche die Furcht vor dieser schrecklichen Seuche bereits, hervorgerufenhatte, nicht mehr zu beseitigen. Diesem misslichen Umstand möchte eshauptsächlich zuzuschreiben sein, dass sich die Schweiz, Frankreich