VI. Die Seidenzucht.
Berichterstatter: Dr. A. Pollmann in Bonn.
Keine deutsche Gressstadt ist so geeignet, den Orient mit deinOccident zu verbinden, als Wien, deshalb mussten auch Alle daraufgespannt sein, was ihnen dort in Bezug auf Seidenzucht und Seiden-waaren geboten würde. Die Meisten werden sich wohl nach einemwochenlangen Studiren und Aufenthalte in Wien sagen müssen: „Wirhaben in diesem Zweige nie soviel Instructives, nie so viel Schönesund Geschmackvolles gesehen.“
Man muss bekennen, dass die Ausstellung der Fabriken aus Crefeldeine mächtige Wirkung auf alle Beschauer ausübte, womit jedoch nichtgesagt sein soll, dass die Lyoner und italienischen Fabrikanten ( nichtauch in ihren Specialitäten Vorzügliches geleistet hätten.
Viele Länder hatten sowohl Gegenstände der Seidenraupenzuchtals auch der Seidenfabrikation ausgestellt, weshalb es sehr schwer war,sich ein klares Bild des Ganzen zu entwerfen, denn was Zucht betrafwar in die zweite Gruppe, und was Fabrikation betraf in die fünfteGruppe eingereiht.
Wir wollen nun zuerst mit der Seidenraupenzucht in der zweitenGruppe beginen.
Deutschland. Dass Deutschland fähig ist, Seide zu produciren,ist schon seit vielen Jahren durch den Erfolg bewiesen, nur ist es sehrschwer, einen neuen Culturzweig in einem Lande einzuführen, wo nochmeist die Vorbedingungen dazu fehlen. Am hinderlichsten wirkt nochimmer der Mangel an Maulbeerlaub.
Die landwirtschaftlichen und Seidenzuchtvereine müssen nochmehr Sorge dafür haben, dass an den Böschungen der Eisenbahnen undden damit parallel laufenden Wegen, mehr Maulbeerpflanzungen ange-legt werden. In Bheinland und Westfalen, ist zwar der Vorstandder Bienen- und Seidenzucht Vereine in Uebereinstimmung mit denDirectionen der Eisenbahnen schon seit Jahren bemüht, diesem Uebel-stande abzuhelfen und sind die Bestrebringen gewiss sehr anzuerkennen,aber es bleibt bei den langsamen Fortschritten, noch Vieles zu thun übrig.