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2 (1874)
Entstehung
Seite
753
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B. Lanclwirthschaft. I. Die Lanrlwirthscliaft im Allgem. 753

der einzelnen Länder liess sich aus den zur Ausstellung gebrachtenProben kaum gewinnen. Wenn auch in der einen Abtheilung derWeizen, in der anderen der Roggen, hier der Mais, dort der Reis do-minirte, so waren doch beinahe in allen Abtheilungen Proben fastsämmtlicher Producte des Ackerbaues zu finden, und in einigen fehltenErzeugnisse, welche erweislich in grösserem Umfange erbaut werden,so z. B. der Flachs in der irländischen Ausstellung. In manchen Ab-theilungen brachten kartographische Darstellungen und statistischeEintragungen die Productionsverhältnisse der betreffenden Länder zurAnschauung, so in der deutschen Abtheilung die von dem königlichenlandwirtschaftlichen Museum in Berlin ausgestellten Kartenund graphischen Tableaux sowie die Karten über die landwirtschaft-lichen Verhältnisse des Grossherzogthums Hessen, in der österrei-chischen Abtheilung Karten über die Verbreitung des Wein-und Seiden-baues, in der russischen Culturkarten über die Verbreitung des Flachs-baues. Mit der Productenausstellung verbunden hatte nur Mecklen-burg-Schwerin in sehr fasslicher Weise eine Darstellung des Pro-ductionsquantums in den einzelnen Fruchtarten.

Den Einfluss des Bodens und Klimas auf die Höhe und Güte derlandwirthschaftlichen Production zur Anschauung zu bringen, war nurvon wenigen Ausstellern versucht. In dieser Beziehung verdient dieCollectivausstellung aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden hervorgeho-ben zu werden, in welcher die Erzeugnisse nach der geologischen For-mation - und der Höhenlage der Productionsorte geordnet und mit An-gaben über die Bodenart, den Kaufwerth des Bodens pr. Hectar, und diedurchschnittlichen Erträge versehen waren. Ferner ist in dieser Beziehungeine von dem Erzherzog Albrecht(Teschen) ausgestellte graphischeDarstellung zu nennen. Die landwirthschaftliche Gesellschaft zuIglau hatte den ausgestellten Getreideproben in Stroh und KörnernBodenproben und deren chemische Analysen beigegeben, und auch in derdeutschen Abtheilung fanden sich hin und wieder diesbezügliche zer-streute Notizen, so namentlich in der rheinpreussischen Ausstellung.

Weizenproben hatten fast sämmtliche Länder der Erde ausgestellt,und zwar meistens Varietäten des gemeinen Weizens, Trüicum vulgare,und des harten Weizens, Triticum durum \ Emmer, T. dicoccum, und Spelzoder Dinkel, T. Speltaxva d T.monococcuni, brachte ausser Süddeutsch-land, wo diese Weizenarten vorzugsweise angebaut zu werden scheinen,nur noch Belgien. Der polnische Weizen, Deina polonica, fand sichin der russischen Abtheilung in schönen Proben und in nicht minderschöner Qualität auch in der Ausstellung von Nordamerika.

Besonders hervortretend war der ägyptische Weizen in der Aus-stellung der PacificeisenbahngeSeilschaft durch die colossaleLängeund Dicke des Strohs. Auch vom Gap der guten Hoffnung warenschöne Proben von Weizen und anderen europäischen Getreidearten in Kör-

Wiener Weltausstellung. II. 48