Druckschrift 
2 (1874)
Entstehung
Seite
423
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. Section II. Thomvaaren. 423

die Individualität, -wenn nicht gar die augenblickliche Stimmung desKünstlers, den er nie geschaut, zu errathen glaubt.

In Erkenntniss dieses menschlichen Zuges, ja in Ausbeutung des-selben, waren besonders die französischen Aussteller bemüht, ihre Waareals Handarbeit hervorzuheben und anzupreisen, während die Juryvom industriellen Standpunkt eine Waare desto lobenswerther findenmusste, je mehr sie auf einen grossen Kreis übergelieu, je mehr sieunbeschadet ihrer wesentlichen Schönheit eine Massenproduction zuliess,und je mehr ihre Anfertigungsmethode es ermöglichte, ihre Nützlichkeitund Schönheit Allen zugänglich zu machen. L'art pour fotts .

Die Beschreibung und Würdigung der keramischen Producte wirdvon vornherein sehr erschwert durch die Verwirrung, welche in derenBenennung herrscht, eine Verwirrung, welche grossentheils absichtlichdurch die Fabrikanten hineingebracht worden ist, um durch höhertönende Namen zu ersetzen, was der Waare an innerer Güte, an Härteund Feuerbeständigkeit abgeht.

Der Grundstoff, aus dem das Fabrikat besteht, kann entweder sogebrannt sein, dass er

1. nur erhärtet, ohne sein inneres Gefüge dabei zu verändernThonwaaren oder so, dass

2. die Grundstoffe einen gewissen Grad von Schmelzung erfahren,welche sie frittet und zusammensintern lässt Porcellan,Steinzeug.

3. Nimmt diese Schmelzung so weit-zu, dass der Gegenstand,seine Form verliert und eine breiartige Masse wird, so entstehtentweder eine Paste oder ein wirkliches Glas, welches ausgeblasenwerden kann, oder aber es entsteht

4. durch Zersetzung der Bestandtheile, durch Entweichung vonGasen eine mehr oder weniger schaumige Schlacke.

Einen dieser Zustände nimmt jede in der Keramik verwendeteMasse an, wir haben es in der zweiten Section nur mit den beiden er-stellen, bei welchen das Wesentliche dieses Kunstzweigs, die vor demBrand gegebene Form, erhalten bleibt, zu thun; während die in derdritten Section vertretene Glasmacherkunst ihren Producten bei derEinwirkung des Feuers erst die gewünschte Form giebt.

Den schaumigen Erzeugnissen, den Schlacken, ist bis jetzt nochweniger Beachtung geschenkt worden als sie wohl verdienen möchten,zu leichten Bausteinen, künstlichem Bimsstein und zu Mühlsteinen.

Die durch Brand nur erhärteten, wie die dadurch gefritteten Pro-ducte wir können sie Thon- und Steinwaaren nennen erhaltennun eine weitere Modification je nachdem sie einen Ueberzug, einenthonigen Beguss ( engobe ) oder einen glasartigen Ueberzug, Glasur,bekommen, welche letztere entweder durchsichtig die Grundmasse in