Siebentes Capitel. 45 l
In der Einsanikeit thronte immer der schwarzeGeist der Melankolie. Da wurden Körper undSeele stumpf. Wie konnte man von Schwär-mern, die sich ganz gegen ihren Willen mußtenmartern und quälen, billige Urthcile über ihreMitmenschen, sanfte Gefühle des MitleidenSund der Nachsicht erwarten. Jenes anachoreti-sche Jrrereden der Unzucht und das bey Mön-chen so viele Jahrhunderte hindurch immer herr-schend gewesene Bedürfniß viehischer Begierde, istkein Merkzeichen der Sanftheit. In den Zei-ten da Prälaten, Domherrn und Mönche, Non-nenklöster zu Hurenhäusern machten, und Päb-ste im Vatikan den Sündenzoll von ganz Euro-pa unter Haufen von nackten Dirnen (*) verzehr-ten, kannte man die Liebe nicht.
Ff 2 Gräu-
el Der heilige Vater in Rom, Aleranber dersechste, gab bey der Vermählung seiner Toch-ter Lucretia mit Alfonso von Este, eine kleineFeperiichkeit, deren Geschichte sein Ceremvnien-
meister