222 , Ueber die Einsamkeit.
volles Herz verhängen; die wütende Freude unddie scheelsüchtige Rachbegier die bey einer alten'greßlichen Nonne alle Nerven anspannt, alle Bor-sten sträubt» wenn sie eine schöne junge Nonneüber einem Liebesanschlag erhaschet; betrachtetman sodann noch den Gram über die Nothwendig-keit aus blossen Familienabsichten sich in einKloster einsperren zu lassen, und da nichts zusehen als Bilder des Schreckens und der Ver-zweifeluug: so begreift man leicht, warum einearme Nonne, anstatt sich Gott zu weihen ihreEltern verflucht.
Tief und ewig fühlet man dieß alles, wennman die Leidenschaften einsamer Menschen betrach-tet. So wie sich allmählig meine Ideen hierü- .ber mehr entwickeln , wird man mit Erstaunensehen, zu welcher entsetzlichen Kraft die Leiden-schaften in der Einsamkeit steigen.
Liebe wirket immer am gewaltsamsten wennman sie fliehet. Glückliche Liebende kennen die
Melan»