Druckschrift 
2 (1785)
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

Ueber die Einsamkeit.

Der Schwärmer sieht ausser sich und vor sich.Alles komme r, werden und seyn, was Er will,und wie Er sichs einbilder. Er harret immer ingigantischer Hofnung, sieht was alle andere Men-schen nicht sehen, und alles was diese sehen, siehter nicht. Er fühlt und greift was kein gesunderSinn gewahr wird. Er höret Stimmen aus derunsichtbaren Welt. Er hat, wie er glaubt, wah-re Eingebungen, sieht Wunder, und thut Wun-der. Im Enthusiasmus verschwindet die Furchtvor Hindernissen, die sonst den Geist binden, undseiner natürlichen Wirksamkeit im Wege sind;Schwärmer haben eine Kraft die alles niederreif-set, und alles zerstöret was Gott und weise Men-schen sagen. Kommt ein schwärmerischer Kopf

vollends

Rächt liest, und sogar Hausknechten, kr^res ler-vsnts und Lvgethürhütern zu lesen räth; dtzrlalsoallenthalben, wo er kann, unter seiner blauen Co-karde und hinter seinem lederne» Schurz Aber-glauben und grosses Nichts zwischen Dampf undNebel und Rauch «usbreitet, ist ein Schwärmer.