Druckschrift 
4 (1785)
Entstehung
Seite
267
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Zwölftes Cüpltel. L67

würden wir allerdings nichts als dürre Gelehr-te, und Buchstabenmenschcn (*).

Aber

(') Herr Mendelssohn sagt dieß hinreiffend und unvcr»gleichlich schön, j» seiner Schrift über religiöse Macht«iid Hudenlhum , mit folgenden Worten:Wir lehrenund unterrichten einander nur in Schriften; lerne» dieNatur und den Menschen kennen, nur aus Schriften;arbeiten und erholen, erbauen und ergötzen uns durchSchrejberey. Der Prediger unterhält sich nicht mitseincö Gemeinde, er liest oder declamirt vor ihr eineausgeschriebene Abhandlung. Der Lehrer auf demKatheder lieSt seine geschriebene Hefte. Alles ist todtcrBuchstabe; nirgends Geist der lebendige» Umerhal«,,tung. Wir lieben und zürnen in Briefen, tanken undvertragen uns in Briefen, unser ganzer Umgang istBriefwechsel, mW wenn wir zusammen kommen , sokennen wir keine andere Unterhaltung, «iS spielen »dervoilesen."

,.Daher ist eS gekommen, daß der Mensch für den'Menschen säst seinen Werth verloren hat. Der Um«gang des Weisen wird nicht gesucht; denn wir findenseine Weisheit in Schristen. Mer was wir thun , istihn zum Schreiben aufiumunkern, wenn wir etwaglauben, daß ec noch nicht genug Hai drucken lassen.Das graue Alter hat seine Ehrwürdigkeit «erkoren;denn der unbärrige Jüngling weiß mehr aus Bücheu,,als jenes aus Erfahrung. Wohlverstanden oder übel«verstanden, daraus kommt es nicht an; genug er weiß

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