ro Ueber die Einsamkeit.
Ein grosser englandischer Lehrer des Erhabe-nen hat gesagt, Einsamkeit wirke beym ersten An-blick fürchterlich, weil Alles was den Begrif vonPrivation mit sich führet, fürchterlich und deswe-gen auch erhaben ist, wie zum Erempel ein lee-rer Platz, Finsterniß, Stille. In der Schweitz,und zumal bey der Stadt Bern, haben die Alpenvon Ferne ein fast unglaubliches Anfthn von Pracht;aber ganz in der Nahe schien mir jedes Bild, dasdie Alpen in meiner Seele erregten, erhaben undfürchterlich. Durch eine Art von Grösse die anUnendlichkeit granzet, wird zwar schon das Augein einer weiten Entfernung bezaubert, wenn mandie unabsehbare Reihe der Alpen in einer bestän-digen Stufenfolge grosser Theile der Schöpfungda stehen und glanzen sieht; aber eben die schö-nen Hellen Farben der Alpen, mildern den Ein-druck, und geben dieser ungeheuren Felsenmauermehr Anmuth, als Erhabenheit. Ohne Schauerhingegen siebt kein empfindliches Gemüth zum er-stenmal in der Nähe diese Gebirge, ihr ewigesEis, ihre senkelrechten Abgründe, ihre finstern
Klüfte,