Anordnung der Bibliotheken im Mittelalter. 309
(S. Bertin, saec. XII) ferner Becker No. 79 (Corbie); dieser letztere— vom ersteren kann icli es nicht bestimmt sagen — ist jedochweiter nichts, als ein alphabetischer Index zu einem nach Materienangeordneten Catalog von Corbie, von dem ein (schon etwas ver-mehrtes) Exemplar unter Becker No. 136 erhalten ist. 1 ) Wer Müssehat, prüfe darauf hin unter Beiziehung der von Delisle im Cabin. desMscr. T. II, pg. 433—440 gegebenen Publication des Cataloges, wo beiden noch heute erhaltenen Hss. die modernen Bezeichnungen beigefügtsind. Die ältere Ausgabe des Cataloges in der Bibl. de l'Ecole desChartes Serie 5 Tome I. pg. 499, woher auch Becker den Catal. ent-lehnt hat, ist ungenauer. Sicher als Indices zu betrachten sind No. 167Bebdorf saec. XV und theilweise No. 531 Bobbio 1461. Vgl. obenzu No. 642 e. pg. 234, Anm. 3 und ferner pg. 250 das über die Bibl.Bessarions Gesagte.
Was Herr Beer über eine Anordnung nach dem Formatesagt (in seiner Eecens. von Beckers Buch, Berliner phil. Wochenschr.Bd. 5, pg. 26 sqq.), ist neu. Ob auch für die alte Zeit wahrscheinlich?Man vergisst hierbei nur zu leicht, dass die Bücher oft auf Pultenlagen; dadurch tritt die Grösse der Bücher, wie mich dünkt, nicht so inden Vordergrund. 2 ) Was man etwa an Beweisen für diese Sache ausälterer Zeit bringen mag, ist Schein. 3 ) Die moderne Aufstellungsart nach
seiner Schriften, wie gesagt die erste Stelle ein, oft genug übrigens auchPapst Gregorius oder Hieronymus. Selbst die Verzeichnisse eines und des-selben Ordens, wie z. B. die zahlreich erhaltenen der Benediktiner, schwankenin dieser Besiehung. ■
') Dieser Sachverhalt ist, wie ich sehe, schon ganz richtig von L. De-lisle erkannt worden.
2 ) In dieser Beziehung höchst wichtig, jedoch nicht beachtet, isteine Stelle in Rieh, de Fournivals Biblionomie: super siugulas tabularummodo plura modo paueiora Volumina dispommtur, seeundum quod, exigentibuseorum quantitatibus, se sibi lateraliter patiuntur adiungi. Quorum etiamproportione pensata, eademmodo singulariter oecupant locum «num,modo bina, videlicet minus pierumque majori superpositum.(Delisle, Cabin. des Mss. T. II, pg. 621) d. h. der Autorwill sagen: unter den über eine Materie handelnden Co-dices sind die einen Foliobande; diese füllen den ihnenzugewiesenen Baum auch der Höhe nach aus; die an-deren haben vielleicht kleineres Format; damit keinRaum verloren gehe, belege man den Platz mit zweiHss., also in der Richtung von unten nach oben (super-posita).
B ) Dass die Anordnung der Reichenauer Hss., auf welche sich HerrBeer beruft, für das Erbringen eines solchen nichts taugt, ist weiter untendargelegt, wo über diese Bibliothek im Besonderen gehandelt ist. Ueberdiesstosse ich jetzt auf ein ausdrückliches Zeugniss, dass an eine alte Signa-tur hier nicht zu denken sei. Die Signaturen, von denen unten die Rede seinwird, wurden angebracht, nachdem die Codices neu in Schafleder gebundenworden waren. Ueber das Alter dieses Einbandes sagt nun Ferd. Keller inden „Mittheilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich." Bd. 6, Zürich1849 in 4°. (Das alte Necrologium von Reichenau. Im Facsim. herausg. undmit einem Comm. versehen.) pg. 38: „Das Original des hier in Facsimile
Folio.
KleinesFormat.
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