Einleitung. 7
Obwohl man heute über mittelalterliches Sehriftwesen weit soliderunterrichtet ist, als noch vor zwanzig- Jahren, so bezieht sich dieseAufklärung doch auf das Bild im Grossen. Die Ausfüllung der Lückenist eine langsame. Man lese, wie Karl Foltz noch 1877 in seinerGeschichte der Salzburger Bibliotheken die Frage nach der Herkunft"ml Entwickelnng des Schriftcharakters in Salzburg als noli mc tangerebetrachtet (pg. 18), eine an und für sich doch einfache Frage. Manist auch heute noch durchaus nicht in der Lage, mit Sicherheit überzeitliche und örtliche Bestimmung von Hss. aus dem 9.—11. Jahrb.cm Urtheil zu fällen. Ich brauche nur an den prinzipiellen Streitum die Zeitbestimmung von Hss. aus der Normandie zu erinnern, derin jüngster Zeit sich wieder erhoben hat. So viel, so erdrückend vielfür Geschichte und Kulturgeschichte des Mittelalters gethan wordenist, dieser ganz spezielle Theil, der sich mit der Sprache, Schrift undLitteratur des frühen Mittelalters beschäftigt, zeigt bedeutende Sprünge,lind unvermittelt neben einander stehende Erscheinungen gibt es inMenge. "Wie soll auch eine in die mühselige Kulturarbeit eindringendeKenntniss möglich sein, wenn noch immer die Quellen nicht genügendgeöffnet sind? Was vermag da der blosse Wille zur Erkenntniss?Selbst die Zeit der Neufunde scheint noch lange nicht vorüber. Hr.p- P. Caspari hat Einiges herausgegeben, das in dieser Beziehunghier in Betracht kommt. So: Kirchengeschichtliche Anecdota nebstAeu-Ansgabe patristisch und kirchlich-mittelalterlicher Schriften ver-öffentlicht und mit Anmerkungen begleitet. (Universitäts-Programmzur 4 Säcularfeier der Geburt Luthers) Christiania, 1883. (XXX,360 SS.); ferner in der Theologisk Tidskrift for de evangelisk-lutberskekirke i Norge, Neue Beihe. 10. Bd., 1885, 2.—4. Heft Homilien ausCod. lat. Mon. 6299 (saec. VIII—IX) und aus 6311 (s. X), eine Prae-dicatio aus 6430 (s. IX.); dann „Eine Augustin fälschlich beigelegteHomilie de Sacrilegiis aus einer Einsiedler-Hss. [No. 281. saee. VIII],Christiania 1886.
Aus Italien kam uns neulieh die Nachricht, Francesco Gamurrinihabe auf der bibl. comunale zu Arezzo des Hilarius verschollenen-1 ractatus de mysteriis nebst anderem Unbekannten entdeckt (Centralbl.t Bibl. ], 197); bald daraufkam die Bestätigung durch den glücklichenFinder (Studi e documenti di storia e diritto, Anno V, 1884 pg. 81 sqq.)Georg Schepss fand in einer spätestens aus dem 6. Jahrhundertstammenden Uncialhs. elf Tractate des spanischen Häretikers Pris-
S. Arnand: Stephan zu S. Hubert; Sugerus zu Anchiu; Theodorich von Cöln;irachnlf; Turquetil zu S.Evroul; Velasco zu S. Millan de Cogolla; Vicerad;JMi.s. yiiejyc; Waldus; Widukind zu Corvey; Wiking zu Prüm; Wilhelm zuAuclun; Wilhelm von Heilsbronn; Wilhelm von Turow.
Schreiberverzeichnisse findet man auch im Cat. Codd. Monac. (hinterjedem Bande), bei A. Czerny: Die Bibliothek des Cborherrnstifts S.Florian,Uaa 1874; II Bibliofilo. Tom. VI. (1885) und anderwärts. Poch auch hierist Vorsicht nöthig; man vgl. z. B. was Serapeum 1850, pg. 328 über Ludo-vicus von Wessobnmn gesagt ist,