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Gruppe X. Ivurzwaaren.
von Deutschland im Allgemeinen genommen in artistischer und tech-nischer Hinsicht grösstentheils überlegen sind. Wir nehmen keinenAnstand, dieses Urtheil hier auszusprechen, denn Selbsterkenntnis istder Besserung Anfang.
Was den deutschen Fabrikaten der Gruppe X. im Allgemeinen,besonders aber den Producten der Kunstindustrie, noch am meistenmangelt, ist eine entschieden ausgesprochene, nationale Originalität,wesslialb die Franzosen nicht ganz Unrecht haben, wenn sie Deutschlandle pays des contrefaiseurs nennen. Dieser Missstand resultirt haupt-sächlich aus dem Mangel an einem deutschen Musterschutze. Abgesehendavon, dass es für den deutschen Fabrikanten nicht animirend ist,grosse Summen für neue Dessins und Formen auszugeben, so lange erfürchten muss, dass dieselben sofort nach ihrem Erscheinen durch seineConcurrenz, die nichts für dieselben zu bezahlen hat, nachgeahmt wer-den, wird diese Freibeuterei durch den Mangel an Musterschutz bei-nahe sanctionirt, so dass selbst angesehene Fabriken keinen Anstandnehmen, als Revanche für auf demselben Gebiete erlittenes Unreellt,diesem Principe gleichfalls zu huldigen. Der deutsche Künstler aber,der sein Genie gern der Industrie zuwenden möchte, findet ebenfallsnicht den nöthigen Schutz für seine Schöpfungen; er betritt daher,wenn immer nur möglich, den rein artistischen Boden, wo ihm dasEigenthumsrecht für seine Productionen in jeder Beziehung geschütztwird, und dieses ist abermals die Ursache, dass es der deutschen Indu-strie so oft an tüchtigen, künstlerischen Kräften fehlt.
Andererseits aber constatiren wir mit grosser Befriedigung, dassin Wien auch an den deutschen Kurzwaaren grosse Fortschritte seitder letzten Pariser Weltausstellung unverkennbar ersichtlich ge-wesen sind, dass einzelne deutsche Fabrikanten ganz Ausgezeichnetesgeleistet haben, und dass das specielle Interesse, welches verschiedenedeutsche Regierungen der Gesammtindustrie ihres Landes oder ein-zelnen Fächern derselben gewidmet hatten, in segenbringender Weisezur Entwickelung gekommen ist.
Möge auch die Wiener Weltausstellung dazu beitragen, dassdie deutsche Kurzwaarenindustrie auf dem Weltmärkte eine stetssteigende Bedeutung gewinnt. Dieses wird geschehen, wenn sich jederdeutsche Fabrikant bestrebt, Realität und Fortschritt in seinem Fabri-kate zu vereinigen.