562
Gruppe VIII. Holz - Industrie.
die Spitzbogen über den Eingängen waren eine ungefällige Künstelei.Welche Rolle schon in den kleinen geometrischen und labyrinthischenGartenanlagen der französischen Renaissance ^ derartige Gittergängeund Gitterhäuschen spielten; dass diesen im Gartenstil Ludwig XIV.eine weitere, völlig architektonisch veranlagte Ausbildung und dabeidurch Aufzucht verschnittener Sträucher zwischen und an den Gitternund durch abwechselnd grüne und weisse Bemalung und Vergoldungerhöhte Wirkung gegeben; dass solche Treillages noch in den Gär-ten Louis XVI., vornehmlich als Abschluss kleinerer Anlagen, deneneine Perspective fehlte, eine bedeutende Stelle einnahmen, ist aus derGeschichte der Gartenkunst bekannt, und aiich heute noch wird dieFabrikation der Treillages ,r’ deren Benutzung das mildere Klima inFrankreich sehr begünstigst, schwungvoll betrieben. Allein die ge-nannte Firma soll mit dergleichen Gartenbauten einen Jahresumsatzvon 1 500 000 Francs erzielen.
Portugal zeigte in dieser Abtheilung das in Lärchenholz sauberausgeführte Modell eines auf der InÄel Madeira üblichen Schiebfensters,nach dem bekannten englischen System, bei welchem einige Vortheilevor dem in Deutschland üblichen Fensterverschluss dadurch aufge-wogen werden, dass die Schiebfenster nur die halbe Oeffnung gestattenund bei Wind'unablässig „scheppern“,
Italien bot auch nichts von sonderlichem Werthe: einige Fensterund Thüren aus dem Venetianischen.
Auch in diesem Zusammenhang ist der Japaner rühmend zu ge-denken. Die von Musashiya in Tokio ausgestellten reizenden Mo-delle von Holzbauten und die von japanischen Arbeitern an Ort undStelle im Prater errichteten Holzbauten mit den Stacketten und Brückendes japanischen Gartens standen, was Sauberkeit und Schärfe der Holz-bearbeitung anbelangt, über Allem, was in irgend einem Zusammen-hang von europäischen Bautischlerarbeiten in Wien zu finden war.
Erstaunlich war es zu sehen, mit wie einfachen Werkzeugen dieseArbeiten verrichtet wurden; dass diese Werkzeuge aber keineswegs soprimitiver Art, wie man auf den ersten Vergleich mit unserem fast ele-ganten Tischlergeräth meinen möchte, ist schon erkannt worden. UnterLeitung des Prof. W. Exner in der Forstakademie zu Mariabrunn beiWien mit japanischen Sägen angestellte Versuche, über welche derGenannte vor der Jury der 8. Gruppe, deren Berichterstatter bei dergrossen Jury er war, eingehend berichtete, haben ein überraschendesLicht auf die für Hirn- und Aderschnitt eigenartig berechneten Zahn-stellungen geworfen. In höchstem Grade aber verdient das unver-gleichliche Holz der japanischen Ceder, Cryptomeria japonica, unsereBeachtung. Für feinere Tischlerarbeiten würde Japan wohl einigesCedernholz exportiren können; grösseren Ansprüchen könnte das kleine