II. Die Holzschnitzarbeiten.
553
gen, Her der Stechpalme, dort des Lorbeerbaums. Sehr viel warendiese Schnitzereien zur Montirung von Blumenvasen, Weiliwasserbeeken,„ Viele-poches“ aus Grlas oder Porcellan verwendet.
Einige in der englischen Kunstabtheilung unter Glas ausgestelltegeschnitzte Tableaux von J. Minns in Norwich, Scenen aus dem Lebender Vögel, ein Wiesel, das ein Nest plündert, Sperlinge im Erbsenfeldzeigten eine aussergewöhnlich lebendige Naturauffassung und zartesteAusführung.
In der portugiesischen Abtheilung waren sauber ausgeführteHolzsohnitzarbeiten eigentümlicher Art zu sehen, meist Streifen- undFriesornamente oder Füllstücke, die aus dem vollen Holz ganz durch-brochen gearbeitet waren und maurisches Bandgeflecht mit vegetabili-schen Bildungen untermischt in geschmackvoller Verteilung zeigten.Es schien, als sollten sie nicht unmittelbar als Holz, sondern vergoldetoder bemalt in Verbindung mit einer etwa in Stuck ausgeführten Deco-ration verwendet werden: offenbar hatten sie architektonische Bestim-mung. Die grössere Auswahl war unter der Angabe, es seien Mo-delle für die neue Börse in Porto, von der Associagio commercialdo Porto ausgestellt, eine geringere Zahl kaum minder guter trugden Namen J. Z. Pinto’s in derselben Stadt. Interessant wäre es, fest-zustellen — was in Wien nicht zu erfahren war —, ob in diesen orien-talischen Decorationsmotiven eine Ueberlieferung aus der Herrschaftmaurischer Kunst in den südlichen Theilen der pyrenäischen Halbinselfortlebt. Vielleicht, und die Bestimmung für einen grossen öffentlichenBau deutet darauf, haben wir es nur mit einer von tüchtigen Architek-ten angeregten antiquarischen Richtung zu thnn.
Auch in der griechischen Abtheilung waren einige Schnitz-arbeiten ausgestellt, ohne künstlerischem Werth, aber von so ausser-ordentlicher Feinheit, dass es zu ihrer Würdigung eines Vergrösserungs-glases bedurfte. Meist religiöse Darstellungen, die zu mehreren ineinem gemeinsamen Rahmen zu einer Art Tableau vereinigt sind. DieFigürclien in sehr erhabenem nahezu vom Hintergründe gelöstem Reliefausgeführt, dem bisweilen statt des natürlichen Holzgrundes ein solchervon rothem Goldflitter untergelegt ist. Bewegungen und Gesichtszügein jener herben conventioneilen Form, die auch für die modernen Aus-läufer der byzantinischen Kunst bezeichnend geblieben ist. Für dasbeste Stück dieser Art, wenige Spannen lang und breit, von JohnG. Platys in Athen, wurden nicht weniger als 25 000 Francs gefordert.Kleinere Schnitzeleien von minderem Wertke wurden von ihren Ver-fertigern — Joseph Basil und G. Andronico in Athen — immernoch auf etliche tausend P'rancs bewertket. Für ein derartiges Tableaumit den Bildnissen der griechischen Königsfamilie, des Kaisers vonOesterreich und anderer Regenten verlangte man 6500 Francs. Es