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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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II. Die Holzschnitzarbeiten.

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herrscht leider auch noch bei den Fürther Holzschnitzereien vor. Einevereinzelte sehr verdienstvolle Ausnahme sahen wir jedoch in einigender von Chr. Weise & Co. in Karlsruhe ausgestellten geschnitztenAlbumdeckel und Kästchen. Bei den besseren Stücken, bei denen auchdas figürliche Relief gepflegt wird, lässt man hier das Birnbaumholz undandere härtere Schnitzhölzer auch frei gelten. Weise betreibt sein Ge-schäft mit einigen 60 Arbeitern, die jedoch meist in ihrer eigenenWerkstatt schnitzen. Ein Drittel seiner Production geht ins Ausland.

Ein sichtbarer Erfolg der vor etlichen Jahren durch die SalzburgerHandelskammer angeregten Hebung der Holzschnitzindustrie in denBerchtesgaden benachbarten Hochgebirgsthälern Oesterreichs konntein Wien noch nicht erwartet werden, denn erst im Jahre 1869 bewil-ligte die österreichische Regierung einen ersten Beitrag von 2500 fl.für die Gründung einer nach dem Muster der Berchtesgadener Schuleeinzurichtenden Schule für Holzschnitzerei in Hallein. Die bis dahinin Salzburg viel verkauften Holzschnitzwerke mussten aus dem Berch-tesgadener District bezogen werden. Auch die Wiederbelebung derschon vor geraumer Zeit einmal in dem schönen Grödnerthal mit bestemGewinn für seine armen Bewohner betriebenen Holzschnitzerkunst istdurch das Oesterreichische Museum für Kunst und Industrie neuerdingsangeregt worden. Der Verfall war im Jahre 1869 ein nahezu voll-ständiger, denn die feineren der zu St. Ulrich im Grödener Thal denReisenden verkauften Schnitzereien wurden nicht dort, sondern in Berch-tesgaden angefertigt. Dennoch ist die Ueberlieferung noch nicht ganzgebrochen, eine Schnitzerschule ist im Entstehen begriffen, und baldwird auch von dort aus den bayerischen Holzschnitzern lebhafte Con-'currenz auf dem Weltmarkt erwachsen. Ein zwingender Grund mehrfür dieselben, sich vor der Erstarrung im Herkömmlichen zu hüten,welcher dergleichen Industrien so leicht verfallen.

Von anderer Bedeutung als die bisher erwähnten sind die vonSebastian Steiner in Innsbruck ausgestellten geschnitzten Tableaux:Scenen des tyroierischen Volkslebens, zu Theil in Art DefreggerscherBilder, Einiges angeblich nach eigener Zeichnung (Nach einem Scheiben-schiessen im Pfisterthale), zum Theil historische Compositionen, wennwir nicht irren, nach den Reliefs am Grabe Kaiser Maximilians zuInnsbruck. So lebensvoll die Figuren, vornehmlich die aus eigenerAnschauung geschöpften volksthümlichen, auch in Holz wiedergegebensind, hebt ihre bildmässige Behandlung diese Darstellungen doch ineine Region, wo sie halbwegs verloren sind, um so mehr als sie ihrerzarten Behandlung wegen kaum anders als unter Glas und Rahmenaufgestellt werden können. So aber als Kunstwerken an der Wand gehtihnen jede decorative Wirkung ab. Sollte es nicht möglich sein, diesesGenre in eine andere Richtung zu leiten, etwa im Sinne der bekannten,