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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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Gruppe VIII. Holz - Industrie.

mit fremdem Pfunde wucherte, freilich zugleich gerüstet mit naivsterAnmuth und höchst entwickeltem Schönheitsgefühl. Das neue Leben,welches diese Zauberinnen damals aus den vor einem Jahrtausend schoneinmal verknöcherten Formen weckten, konnte aber nicht lange Standhalten, da ihm nicht rechtzeitig frisches Blut aus der Natur selbst zu-strömte. Und so, nur noch weit jäher, wird unsere ornamentale Kunstsich in äffische Manier und gedankenhafte Spielerei verirren, wenn wirnicht das vor vierhundert Jahren Versäumte nachzuholen uns raschenMuth fassen. Unsere Zeit sieht und erfasst alle Naturformen mit ganzanderem Auge, als irgend eine vergangene Epoche; weigert sie sichdoch, selbst schon jetzt, bei dem Wort des Dichters:Ins Innere derNatur dringt kein erschaffener Geist zu schwören. Die vergleichendeMorphologie und Anatomie, die Lehre von der Entwickelung der Artenhaben uns einmal um das alte naive Sehen des schönen Scheins derDinge gebracht. Da hilft es uns auf die Dauer nicht mehr, um diesenschönen Schein noch unbefangen in Holz oder Stein bannen zu können,uns die Augen der Quattrocentisten zu borgen. Wir müssen eben mitunseren eigenen neuen Mitteln wirthschaften lernen. Und erst wenndieses geschehen, wird man unversehens, ohne dass man sein Kommenmerkt, denneuen Stil besitzen und es nicht mehr als das höchsteLob aussprechen, dieses oder jenes hätte ebenso gut von einem Italienerdes Quattrocento gemacht werden können. Man verstehe uns nichtdahin, die Kunst solle sich nun plötzlich aus den Laboratorien, denzoologischen -und botanischen Gärten inspiriren. Wir befürworten nur,dass an das Auswendiglernen der schönen und in ihrer Art muster-gültigen alten Formen weit entschiedener als bisher in den kunstgewerb-lichen Bildungsanstalten zu dem stilvollen Entwickeln neuer Formenaus der auf neue Art verstandenen Natur angeleitet werde, dass dieunermessliche Bereicherung des volksthümlichen Schatzes von Natur-formen nicht länger ein todtes Capital für die Kunst und die Ornamen-tik bleibe.

Wir erblicken, wie gesagt, die nothwendige Ergänzung des Lehr-mittelapparates der Gewerbeschulen in dem Material der Gewerbe-museen. Bei der Anlage letzterer kann von verschiedenen Gesichtspunktenausgegangen werden. Einer der beliebtesten,- weil er auch dem Laienohne Weiteres einleuchtet und einen momentanen Einfluss des Museumsauf das Kunstgewerbe mit Händen zu greifen gestattet, ist derjenige,welcher in die Sammlung ausgeführter Gegenstände nur solche Stückeaufgenommen wissen will, welchemustergültig sind, wobei denn demletzteren Prädicat mit Vorliebe der Sinn beigelegt wird, ein muster-gültiger Gegenstand solle nur nachgemacht zu werden brauchen, umgleich wieder etwas für unsere Verhältnisse Mustergültiges auf denMarkt zu bringen. Diese Auffassung macht nun allerdings die Be-nutzung des Gewerbemuseums für den Handwerker ausserordentlich