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Bd. 3, Abt. 2 (1874)
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Gruppe VIII. Holz - Industrie.

Stellungen ferngeblieben waren, endlich in Wien offen mit ihren Nach-ahmungen hervortraten. Die Besten ihres Faches waren es freilichnicht, denn diese, wie die Gatti, Frullini, Besarel, haben früher jenenSchritt gewagt und arbeiten seit Jahren unter eigener Firma. Eswaren aber doch Männer darunter, von denen Erfreuliches erwartetwerden kann, sobald gewisse üble Angewöhnungen überwunden seinwerden. Die beabsichtigte Täuschung forderte früher eine Nachahmungauch der Fehler alter Arbeiten und jener Merkmale, welche, wie un-gleiches Schwinden und Werfen des Holzes, Wurmfrass und zufälligeBeschädigungen, manchem Liebhaber als einuntrügliches Zeichen derAeehtheit gelten. Das führte denn zu arger Vernachlässigung dereigentlichen Schreinerarbeit; ob die Schubladen luftdicht schlossen, obdie Gehrungen sich sauber fügten, ob die Fourniere gleiclnnässig dieFlächen deckten, wurde wenig gefragt, erleichterte doch das Gegentheilden Verkauf, so dass selbst geflissentliche Verunstaltungen, wie z. B.das Einsetzen eines Flickens in die Ebenholzfourniere, angebrachtschienen. Belege hierfür waren nicht selten in der italienischen Abthei-lung: alle diejenigen aber, die dieses Mal auch nur mit solchen fehler-haften Arbeiten auftraten, haben damit gewissermaassen ihrer Vergan-genheit entsagt und verstärken die Beihen der italienischen Kunst-handwerker.

Kein anderes Land bot annähernd ähnliche Erscheinungen, wenn-gleich Nachahmungen alter Originale überall zu finden waren. Alseine glänzende Leistung dieser Art ist jedoch nur der Ebenholzschrankvon August Schoenicke in Danzig zu erwähnen: eine Nachahmungjener schweren, doppelt-hürigen Kleiderschränke aus dem Ende des17. Jahrhunderts, wie sie in der Iieimathstadt des Verfertigers nochheute den Flur manches alten Patrizierhauses schmücken, auch inLübeck, Hamburg und in anderen Handelsstädten der Seeküste nochKäirfig angetroffen werden. Das Schnitzwerk dieser Schränke, haupt-sächlich Festons oder Hermen an den Lisenen und ein grosses Mittel-stück oben am weit vorgekröpften Gesims ist im richtigen Verhältnisszu der Grösse der Möbel meist recht derb behandelt, ihre Hauptzierdebilden die reichen und mannigfaltigen Verkröpfungen auf den beidenThürfüllungen und an der unteren Schublade. Auch wer für den Auf-wand so vieler Mühe und so kostbaren Materials ein edleres Vorbildwünschen möchte, wird Schoeniekes Verdienst anerkennen, in jenenVerkröpfungen mit ihrer unübertrefflichen Genauigkeit der Gehrun-gen und der vollendeten Sauberkeit ihrer Profile und Kanten aufsBeste an eine sehr gefällige Verzierungsweise der Füllungen erinnertzu haben, die heute fast ganz in Vergessenheit gerathen und doch zurWiederaufnahme wohl geeignet wäre, weil sie mit rein Schreiner-mässiger Technik die Flächen durch wirkungsvollen Licht- undSchattenwechsel zu beleben weiss.