Section IV. Waaren aus anderen Metallen etc. 331
Herstellung dieser Waaren ist seit alter Zeit ein specieller Zweig desNürnberger Handwerks gewesen und hat sich zum Theil noch bis aufdie heutige Zeit hier erhalten, wenn auch seit Aufhebung der Zünfteund Einführung der Gewerbefreiheit in wesentlich veränderter Form.
In früherer Zeit bildeten die Balkenschmiede eine eigene Zunft.
Die Nürnberger Wagen- und Gewichtefabrikation gehört eigent-lich dem Gewerbe der Roth- und Gelbgiesser an. Sie gliedert sichin der Art, dass ein sogenannter „Verleger“ die einzelnen Theile vonden „Heimarbeitern“ erhält, die Waare zum Verkauf fertig macht, aufLager hält und an den bestellenden Kaufmann abliefert. Zuweilen istder Verleger auch Giesser, wo er dann die gegossenen Theile an dieHeimarbeiter zur weiteren Bearbeitung hinausgiebt. Solcher Verlegergiebt es etwa acht, von denen ein Theil in neuerer Zeit fabrikmässigenBetrieb eingeführt hat. Die eisernen und stählernen Balken werdengeschmiedet und zwar aus bestem Nassauer Holzkohlenstabeisen undsteirischem Stahl. Gegenwärtig existirt nur noch eine einzige solcheBalkenschmiede, in welcher der Besitzer mit seinem Sohn bis vorKurzem wohl keine andere Arbeit gemacht haben. Meistens lassendie Verleger jetzt schmieden. Die geschmiedeten und, wenn von Mes-sing, die gegossenen Balken werden an die Heimarbeiter, welche inihren Wohnungen, zuweilen unter Beihilfe der Familie, arbeiten, hinausge-geben ; diese liefern die fertigen Balken wieder an den Verleger zurück.Die Ketten zum Aufhängen der Schalen machen die Nadler, auchexistirt eine Fabrik, von C. Distel, dafür. Die Schalen werden aufder Drehbank gefertigt, ovale Hornschalen aus Eschwege in Hessenbezogen.
So werden in Nürnberg Wagen und Wagschalen als eigentlicheManufacturartikel gefertigt, von den kleinen, welche als Kinderspiel-zeug dienen, bis zu feinsten Apotheker-, Gold- und Diamantwagen.Die Zahl der Arbeiter lässt sich nur schwer ermitteln und wechselt jenach dem Geschäftsgang, doch dürften kaum mehr als 20 selbstständigeMeister gezählt werden. Die gewöhnlichen Gewichte, die Apotheker-gewichte und die bekannten Einsatzgewichte wurden früher ebenfallsin sehr bedeutenden Mengen gefertigt, jetzt seit Einführung desGrammengewichtes sind letztere beiden weniger gangbar geworden.
Die Bedeutung der Nürnberger Wagenfabrikation ist trotz desscheinbar geringen Umfangs noch eine sehr grosse. Haben docheinzelne Fabrikanten in ganz gewöhnlichen Sorten 40 000 bis 50 000 fl.Jahresproduction. Ein grosser Uebelstand für diesen Industriezweigliegt in der Ungiltigkeit des bayerischen Aichstempels im übrigenDeutschland und im Auslande. Da der bei weitem grösste Theil derWaare exportirt wird, und geaichte Wagen und Gewichte überall ver-langt werden, so würde die Production einen grossen Aufschwungnehmen, wenn die bayerische Stempelung z. B. in Norddeutschland