Section IV. Militairisches Erziehiuigs- u. Unterrichtswesen. 165
A. Militairisches Erziehungs- und Bildungswesenund Historiographie.
Die Berichterstattung kann die vereinzelten Gegenstände, die ausdiesen Bildungszweigen sich eingefunden hatten, um so kürzer berühren,als für Vergleich und Urtheil durch sie wenig geboten wurde. Be-merkenswerthere Objecte waren zunächst in den Ausstellungsräumender beiden skandinavischen Keiche zu treffen.
Hier hatte das königlich schwedische Kriegsministeriumzu Stockholm durch den Inspector der Militairlehranstalten eineSammlung der in letzteren verwendeten Unterrichtsmittel grup-piren lassen. Ausser den in den Unterofficierschulen benutzten Lehr-büchern, lagen auch anderweitige Instrnctionsobjecte in Menge aus,z. B. Modelle von Artilleriematerial, von Pontons und Geräth zumBrückenschlägen, von fortificatorisehen Anlagen, Recognoscirungs-geräth, ein Apparat zum Unterricht im Zielen, sowie die Reglementsder 'Waffengattungen. Von besonderem Interesse waren die von denZöglingen der Anstalten angefertigten schriftlichen Arbeiten aus ver-schiedenen Unterrichtsdisciplinen; sie sprachen nicht bloss für den Um-fang und die Gründlichkeit des Unterrichts, sondern hauptsächlich fürdie durch denselben erzielten guten Erfolge. Aus der Reihe der Lehr-bücher wäre besonders namhaft zu machen ein mit vielem Fleiss abge-fasstes Werk des Lieutenants G. Frumerie (Stockholm) über dieneueren Gewehrmodelle mit 14 Tafeln sorgfältiger Abbildungen(Plansclwerk öfver Antagna nyare gevärs modeller: 1872/73, Preis 30Francs). Zu den Unterrichtsgegenständen wurden ferner gezählt: vonMajor Wahlfeit (Stockholm) construirte Fechtwaffen: ein Korb-säbel und ein Bajonettgewehr zum Contrafechten. Bei letzterem ver-trat ein in der Laufmündung angebrachter eiserner Stab mit Feder-wirkung die Stelle des Bajonetts. Beim Stoss auf den Gegner schobsich der federnde Bajonettstab in den Lauf zurück und verhütete somiteine Verletzung, beim Freiwerden der Waffe schnellte er von selbstwieder heraus.
Aus Norwegen lag, durch Major Rosenberg, Vorstand derSchule zur Ausbildung von Unterbefehlshabern desJäger-corps zu Christiania, eine Reihe der verschiedensten von den Elevengefertigten schriftlichen Arbeiten und Zeichnungen aus. Die Gediegen-heit und Vielseitigkeit des Unterrichts verdienen danach volle Aner-kennung, und erweckten die Schriftstücke durch ihre Sauberkeit unddie verhältnissmässig guten Handschriften ein günstiges Vorurtheil.Jedenfalls ist durch die erzielten Erfolge die Annahme gerechtfertigt,