117
Section II. Allgemeine Bewaffnung etc.
5. Eine instructive Sammlung von hölzernen Modellen ver-schiedener Geschützsysteme, zum Theil in Durchschnitten zueinem Wandtableau vereinigt. Die Construction beringter Bohre waran ihnen recht klar zu ersehen.
Ferner hatte sich an der ’Waffenausstellung betheiligt: die Guss-stahlfabrik zu Oboukhoff hei St. Petersburg, ein im Jahre 1863gegründetes Privatetablissement, das durch kräftigste Unterstützungder russischen Begierung jetzt so weit gelangt ist, dass es sich ausserder Anfertigung gewöhnlicher Stahlartikel auch der Herstellung schwe-rer Stahlgeschütze und Geschosse zu unterziehen vermag. Um diesesZiel zu erreichen, sind grosse Summen aufgewendet worden und werdenauch für die Erweiterung und Vollendung der Anlagen ferner veraus-gabt werden müssen. Vorläufig produciren die Oboukhoffer Werkenoch um reichlich ein Drittel theurer als die deutschen. Die Jahres-fabrikation liefert gegenwärtig bei Beschäftigung von 1200 Arbeitern140 000 Pud, das sind 2 293 200 Kg Gussstahl (darunter an 40schwere Geschütze) im Werthe von 1 Mill. Bubel, sie soll allmälig ver-dreifacht werden.
Die Werke hatten ausgestellt:
1. Ein vierpfündiges gussstählernes beringtes Kanonen-rohr (8’68 cm Kaliber), mit cylindro - prismatischem Keilverschlüsse,einem Schildzapfenringe und einer seitwärts angebrachten Visir-vorrichtung versehen. Die Seele führt 12 Züge. Das 360 Kg wie-gende Bohr war im glatten Zustande mit 12 Schüssen (5527 KgProjectilgewicht) unter bis zu 1228'5 g verstärkten Ladungen erprobtworden und hatte nach seiner Vollendung noch 1020 Schuss mit derreglementsmässigen Ladung von 614'3 g grobkörnigen Pulvers aus-gehalten.
2. Ein sechszölliges (15'2397 cm) Gussstahlhinterladxxngs-rohr, mit Bodenberingung aus geschmiedetem Gussstahl versehen. DieBohrung enthält 24 Züge. Der Bundkeilverschluss hat eine kleineAenderuug erhalten, indem nur die Anzugsschraube und eine Lade-öffnung vorhanden ist, dagegen die Transportirschraube fehlt. Fürden Schutz des Keiles sorgt ein messingenes, am Bodenstück ange-brachtes Futter. Der Widerstand des 4000 Kg wiegenden Rohresbeträgt an der Elasticitätsgrenze 2957 Atmosphären. Mit einem ähn-lichen Geschütze hat man bei sehr umfassenden Proben (684 Schüsse)mit einer Ladung von 8'19 Kg Pulver und einer 36’85 Kg wiegendenGranate 487 m Anfangsgeschwindigkeit unter einem Maximalgasdruckevon 3000 Atmosphären erlangt.
3. Ein achtzölliges (20'32 cm) Hinterladungsrohr, mit stäh-lerner Bodenberingung und 30 Parallelzügexi versehen, 8933 Kg wie-gend. Auch dieses Kanon hat bereits 1243 Schuss mit Granaten von77'8 Kg und wechselnder Ladung abgegeben. Die Anfangsgeschwin-