Druckschrift 
2 (1866)
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen
 

geboren worden, oder nicht gestorben sein, (29.) wovon sich die ersteHälfte aus den schändlichen Ansang, die andre auf das herrliche Endeseiner Laufbahn bezog. Denn als er noch auf Erwerbung der kaiser-lichen Herrschaft ausging, galt er sür einen Unterdrücker der Freiheit,als er sie führte, liebte er die Bürger so sehr, daß er einst, da sich inden Magazinen nur noch Getreide auf drei Tage vorfand, sich durchGift zu tödten beschloß, wenn nicht unterdessen die sGetreides-Flotteuaus den Provinzen ankämen'). (30.) Sie trafen aber ein, und die

Rettung des Vaterlandes wurde seinem Glücke zugeschrieben. (3 >.)Er regierte sim Ganzen) sechsundfünszig Jahre, zwölf in Gemeinschaftmit Antonius, vierundvierzig aber allein. Wahrlich, nie würde er diehöchste Gewalt im Staate an sich gebracht haben, oder so lange inihrem Besitz geblieben sein, wenn er nicht große, theils ihm von derNatur verliehene, theils durch eigne Bemühung erworbene Vorzügebesässen hätte.

2. Claudius Tiberius.

Claudius Tiberius, ein Sohn der Livia und Stiefsohn des Cä-sar Octavianus, regierte dreiundzwanzig Jahre. (2.) Da sein eigent-licher Name Claudius Tiberius Nero war, wurde derselbe seinerTrunksucht wegen von Spöttern recht witzig in Caldius BiberiusMero 2) umgewandelt. (3.) Er war hinreichend erfahren im Kriegs-wesen, und vor seiner Thronbesteigung unter August's Regierung vomGlücke sattsam begünstigt, so daß ihm die Staatsherrschaft mit vollemRechte anvertraut werden konnte. (4.) Auch besaß er umfassendewissenschaftliche Kenntnisse und zeichnete sich durch Beredtsamkeit aus;

Die überaus zahlreiche Bevölkerung Roms <daS unter August im Ganzengewiß an 2 Millionen Einwohner zählte) konnte bei dem sehr heruntergekommenenAckerbaue Italiens nur durch Getreidezusuhrcn aus Sicilien, PontuS, Africa undAegypten ernährt werden. Waren daher einmal Wind und Wetter ungünstig, sodaß jene Zufuhren nicht zu rechter Zeit eintresfen konnten, so entstand in Rom leichtHungersnoth.

2) LaldiuS, von oaliäug (warm), mit Anspielung auf die bei den Römernsehr beliebten warmen Getränke, Biberius von bidor» (trinken) und Mero von msrum(reiner, unvermischter Wein),