(14.) Den Uebrigen ward Verzeihung zu Theil, und fast Alle seineGegner, namentlich der Befehlshaber der Leibwache, Aristobulus, einausgezeichneter Mann, wurden in ihren Aemtern belassen: (15.) eineseit Menschengedenken ganz neue und unerwartete Erscheinung, daßin einem Bürgerkriege Niemand seines Vermögens, seiner Ehre undWürden beraubt wurde, während man sich gewöhnlich schon als übereine überaus liebreiche und milde Handlungsweise freut, wenn nurden Verbannungen, Aechtungen, ja sogar den Hinrichtungen und demBlutvergießen Maß und Ziel gesetzt wird. (16.) Was soll ich aberdavon sagen, daß er Ausländer zu Reichsgehülsen annahm, um dasrömische Gebiet zu schützen und zu erweitern? (17. Denn als er er-fuhr, daß nach des Carinus Tode Aelianus und Amandus in Gallieneine Schaar von Landleuten und Räubern, welche die EingeborenenBagauden nennen, aufgewiegelt hätten und, nachdem sie das Landweit und breit ausgeplündert, sich selbst sehr vieler Städte zu bemäch-tigen suchten, so ernannte er sofort seinen treuen Freund Maximianus,einen zwar nur halbgebildeten, aber kriegserfahrenen und rechtlichenMann, zum Imperator. (18.) Dieser erhielt später wegen seinerVerehrung des Gottes Hercules den Beinamen Herculeus, sowie Va-lerius den Beinamen Jovius, und daher wurden diese Namen auchauf den bei weitem vorzüglichsten Theil unsrer Hülfsvölker beimHeere übergetragen '). (19.) Herculeus schlug, nach Gallien gekom-
men , die Feinde, oder nöthigte sie zur Unterwerfung, und brachte inkurzer Zeit Alles in friedlichen Zustand. (20.) In diesem Kriegehatte sich Carausius, ein Menapier^), durch entschlossene Unterneh-mungen sehr ausgezeichnet, und deshalb, zugleich aber auch weil erfür einen erfahrenen Steuermann galt (denn er hatte sich in dieserKunst als junger Mann gegen Lohn geübt) trug ihm der Kaiser aufeine Flotte auszurüsten und die Germanen ^), welche das Meer beun-
') Die I.«gio Soraule» und l,sgio üoria, alte und bewährte, ursprünglich ausHülfSvölkern bestehende Heerhaufen in Jllyrien, welche unter Diocletian die Stelleder Prätorianer vertraten und die kaiserliche Leibwache bildeten.
2) Die Menapier waren ein gallisches Volk, an den Mündungen des Rheinsund östlich bis zur Maas wohnhaft.
3) Namentlich Franken und Sachsen.