Druckschrift 
1 (1866)
Entstehung
Seite
113
Einzelbild herunterladen
 

113

10. Titus Flavius Vespasianus.

Uebrigens ist es kaum zu glauben, wie sehr Titus, nachdem erdie Regierung erlangt hatte, sein Vorbild ') noch übertraf, namentlichan wissenschaftlicher Bildung, Milde und Freigebigkeit. (2.) Da e§Sitte war, daß die von früheren Kaisern verliehenen Vorrechte vonihren Nachfolgern bestätigt wurden, so sicherte er dieselben, sobald erdie Regierung übernommen, ihren Besitzern durch eine Verordnungaus freien Stücken zu?). (3.) Nicht minder edel und mild zeigte ersich in der Schonung derer, die sich etwa gegen ihn verschworen hatten.Als einst zwei Mitglieder des Senats ihre verbrecherische Absicht nichtleugnen konnten und der Senat die Ueberwiesenen einstimmig zurTodesstrafe verurtheilt hatte, nahm er sie mit sich zu den öffentlichenSpielen, ließ sie zu beiden Seiten neben sich Platz nehmen, sich absicht-lich das Schwert eines Fechters geben, deren Kämpfen man eben zusah,und überreichte es erst dem Einen, dann dem Andern, gleichsam nmseine Schärfe zu prüsen, (4.) und als sie nun ganz bestürzt seine Un-erschrockenheit anstaunten, sprach er: „Seht ihr nicht, daß Herrscher-macht ein Geschenk des Schicksals ist und daß jedes aus Hoffnung aufihren Besitz oder aus Furcht vor ihrem Verluste unternommene Ver-brechen erfolglos bleiben muß?" (5.) Nachdem er so zwei Jahre undetwa neun Monate regiert und sein großes Amphitheater noch vollendethatte, starb er nach einem Bade an Gift si im vierzigsten Jahre seinesAlters, während sein Vater im siebzigsten Jahre gestorben und zehnJahre lang Kaiser gewesen war. (6.) Sein Tod versetzte die Pro-vinzen in so große Trauer, daß man eine Verwaisung des Erdkreisesbeweinte und ihn die Wonne des Menschengeschlechts nannte.

0 Natürlich den Vespasianus.

Ohne erst ihre Gesuche darum abzuwarten.

Andere Schriftsteller wissen von dieser Vergiftung (durch Domitian) nichtsund lassen Titus an einem Fieber sterben.

Victor I.

8