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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

oder Osmium-Iridium. Auch in der Zahntechnik haben diese Legirungenunter dem NamenPalladium Verwendung gefunden. Eine grössereWichtigkeit haben jedoch in der Neuzeit die Legirungen des Platinsmit den Platinmetallen, namentlich dem Iridium, erlangt. Deville undDebray, welche bei ihren Versuchen, Platin auf troclmem Wege dar-zustellen, derartige Legirungen erhielten, machten zuerst darauf auf-merksam, dass dieselben sich in ihrer Anwendung für chemische Ge-räthschaften vor dem reinen Platin durch ihre grössere Härte undWiderstandsfähigkeit gegen Säuren auszeichnen. Desmoutis inParis nahm 1857 in England ein Patent auf die Anfertigung yon Le-girungen des Platins mit Iridium, Rhodium oder Ruthenium oder mitmehreren dieser Metalle zusammen und die Verwendung dieser Legi-rungen zu chemischen und physikalischen Geräthschaften, Goldschmiede-arbeiten, chirurgischen Instrumenten u. s. w. Diese Legirungen bestehenje nach dem Zweck, für den sie bestimmt sind, z. B. aus 90 Thln. Platinund 10 Thln. der anderen Metalle. Ein anderes Patent, betreffend dieBehandlung des Platinerzes, um Legirungen des Platins mit Palladium,Rhodium und Iridium zu erhalten, wurde yon Newton 1 ) genommen.Pelouze 2 ) zeigte 1859 in der französischen Akademie eine von Jacobiin Petersburg eingesandte Medaille aus einer Legirung von Platinund Iridium vor, welche nach dem von Deville und Debray ange-gebenen Verfahren dargestellt war, und bemerkte, dass diese Legirungsich leicht auswalzen lasse und wenn der Iridiumgehalt nicht unter20 Proc. betrage, vom Königswasser fast gar nicht angegriffen werde.Die bemerkenswerthen Eigenschaften der Platin-Iridium-Legirung habenin neuerer Zeit die Aufmerksamkeit der internationalen Commissionfür die Anfertigung der neuen Metermaasse erregt. Die französischeSection, welche im Aufträge derselben für die verschiedenen Länder,welche das metrische System der Maasse und Gewichte angenommenhaben, die neuen Normalmaasse zu liefern hat, hat als Material fürdieselben eine Legirung von 9 Thln. Platin und 1 Thl. Iridium gewählt.Diese Legirung ist sehr hart, ebenso elastisch wie Stahl, schwererschmelzbar als Platin und ganz unveränderlich.

Darstellung der Platinmetalle. Die. Reindarstellung derPlatinmetalle gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Mineralchemie,an deren Lösung die bedeutendsten Chemiker, Wollaston, Berzelius,Wöhler, sowie Claus, Fritzsche, Fremy und Andere gearbeitethaben. Als die Verarbeitung des Platinerzes grössere Ausdehnung erlangteund sogar im fabrikmässigen Betrieb ausgeführt wurde, trat natürlichdas Bestreben wieder in den Vordergrund, die sich immer mehr anhäu-

J ) Newton, Dingl. pol. J. CXLVIH, 415. 2 ) Pelouze, Compt. rend.

XLIX, 896; Dingl. pol. J. CLV, 118.