Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
1004
Einzelbild herunterladen
 

1004

Gruppe III. Chemische Industrie.

nicht nachstehen und vor diesen den Vorzug haben, dass sie leichterdarzustellen sind, eine grössere Haltbarkeit haben und nicht erblinden.Fernere Methoden, Glas namentlich zur Anwendung für physikalischeInstrumente zu verplatiniren, sind angegeben von Petitjean 1 ) (Gemischvon Platinchlorid mit zweifach weinsaurem Natrium), Vasserot 2 ) (Ge-misch von Platinchlorid mit Lavendelöl). Am meisten ist das Verfahrenvon Do de ausgearbeitet worden. Auf Grund seines Patentes haben dieHerren Cr es well und Tavernier in der Nähe von Paris eine Fabrikvon Platinspiegeln eingerichtet. Das in letzterer angewandte Verfahrenist nach den Mittheilungen von Salvetat 3 ) und Jouglet 4 ) folgendes:Trocknes Platinchlorid wird mit Lavendelöl zu einer Flüssigkeit ange-rieben, welche auf die Glasfläche aufgetragen wird; beim Verdunstenhinterlässt dieselbe eine gleichmässig dicke, von Blasen und ausgelau-fenen Rändern freie glänzende Schicht von Metallstaub, welche sogleichspiegelt und dem Glase fest anhaftet, wenn die Temperatur beim Ein-brennen hoch genug und ein passendes Flussmittel (als solches dientein Gemenge von Bleioxyd und borsaurem Bleioxyd) benutzt wird.Die Platinspiegel zeichnen sich durch grosse Haltbarkeit' aus und be-dürfen zu ihrer Herstellung keines vollkommen fehlerfreien Glases, dadas Platin, auf einer abgeschliffenen und polirten -Seite aufgetragen,durch unmittelbare Spiegelung scharfe Bilder giebt. Die platinirtenGlasflächen haben die Eigenthümlichkeit, dass sie hei auffallendem Lichtespiegeln, während sie in durchfallendem Lichte transparent sind, so dassman durch ein solches Glas alles, was vor demselben geschieht, beobachtenkann, ohne selbst von draussen gesehen zu werden. Zum Belegen von1 Dm Glasfläche genügt ein Stück Platinblech im Werthe von 1 Franc.In neuerer Zeit hat Dode sein Verfahren dadurch verbessert, dass erdie Spiegel mit einer Mischung von Gold und Platin belegt. Nach derhierüber veröffentlichten Patentschreibung 5 ) werden beide Metalle inKönigswasser gelöst und die Lösungen zur Trockniss abgedampft. DerRückstand wird mit Lavendelöl, Terpentinöl und geschwefeltem Ter-pentinbalsam gemischt auf die Glasfläche aufgetragen und mit Hilfeeines Schmelzmittels eingebrannt.

Die Leichtigkeit, mit welcher sich Platin auf Glas übertragen lässt,veranlasste Dullo 6 ) zu dem Vorschläge, die Spitzen der Glasröhren desMarshschen Apparates, um ihr Zuschmelzen zu verhindern, mit einerPlatinschicht zu überziehen; es geschieht dies einfach durch Eintauchender Röhren in eine Platinchloridlösung und nachheriges Erhitzen der-

!) Petitjean, Mechanics Magazine LXY, 4; Dingl. pol. J. CXLI. 441.

2 ) Vasserot, Dingl. pol. J. CLIII, 42. s ) Salvötat, Bullet, de Ia sociötö

deneouragement 1865, 526; Dingl. pol. J. CLXXX, 89. 4 ) Jouglet, Compt.

rend. LXX, 52; Dingl. pol. J. CXCV, 464. B ) Dode, Ber. ehern. Ges. 1873,

1273. Dingl. pol. J. CCXI, 74. 6 ) Dullo, Journ. f. prakt. Chem.

LXXVIII, 367.