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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

rückstände von der Anilinfarbenfabrikation in geeigneterWeise zu verarbeiten, einestheils um sie unschädlich zu machen, anderen -theils, um das in ihnen enthaltene Arsen der Industrie in nutzbarerGestalt zurückzugeben. Die Wichtigkeit des Gegenstandes erkennend,setzte der Verein zur Beförderung des Gewerbfleisses in Preussen 1869einen Preis für die Lösung dieses Problems aus, bestehend in dergoldenen Denkmünze und der Summe von 2000 Thlr. Vorher schonwaren verschiedene Vorschläge zur Erreichung dieses Ziels gemachtworden, und zwar sind die wichtigsten der empfohlenen Methodenfolgende:

P. Bolley 1 ) empfiehlt, die Anilinrückstände mit concentrirter Salz-säure oder mit einem Gemenge von Kochsalz und Schwefelsäure derDestillation zu unterwerfen und auf solche Weise das Arsen in Gestaltvon Arsenchlorür zu verflüchtigen. Beim Verdünnen des Destillatsmit Wasser scheidet sich der grösste Theil des Arsens in Form vonarseniger Säure ab.

Nach Bandu & Co. s ) werden die Rückstände in einem Cokeofencalcinirt, wobei Arsen verdampft, welches zu arseniger Säure verbrennt,die sich in Giftfängen condensiren lässt.

Stopp 3 ) behandelt die Rückstände mit Salzsäure, sättigt die Lö-sung mit Soda und fällt hierauf mit Kalk. Der erhaltene Niederschlagwird mit Schwefelsäure und Salpetersäure erhitzt wodurch Gyps ent-steht, der zur Abscheidung gelangt und Arsen säure zurückgebildetwird, die in Lösung bleibt.

Tabourin und Lemaire 4 ) schlagen vor, die Anilinrückstände mitKalk zu versetzen und den getrockneten Niederschlag mit Kohle zuglühen, wobei, ähnlich wie bei dem Randuschen Verfahren, Arsenverdampft, welches man durch Verbrennen in arsenige Säure über-führt, die in Giftfängen condensirt wird.

Die Sulfide des Arsens, welche in der Natur als Realgar,As 2 S 2 , und als Auripigment, As 2 S 3 , auftreten, werden künstlich inbeträchtlicher Menge dargestellt, jedoch nie in reinem Zustande, ja zumTheil sind diese Producte nichts anderes, als eine durch mehr oderweniger Arsensulfid gefärbte arsenige Säure.

Das Realgar, rother Arsenik, Rubinschwefel, Arsenikrubin, Rausch-roth, Rothglas, As 2 S 2 , wird nachKast und Bräuning 5 ) auf den könig-lichen Schmelzhütten zu Freiberg aus Arsenkies und Schwefelkies hal-tenden Erzen dargestellt. Die gattirten Schliche mit 15 p. C. As und

Bolley, Schweiz. Polyt. Zeitschr. 1863, 28; Dingl. pol. J. CLXVIII, 51;Wagn. Jahresber. 1863, 600. 2 ) Bandu u. Co., Bull. Soc. chim. 1866, VI,

254; Dingl. pol. J. CLXXXIV, 145; Wagn. Jahresber. 1867, 581. 8 ) Stopp,

Ebendas. 4 ) Tabourin u. Leinaire, desgl. 6 ) Käst u. Bräuning,Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten und Salinenwesen im preuss. Staate 1870, XVIII,188 bis 190; Wagn. Jahresber. 1871, 195.