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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Arsen.

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lieh da auftreten, wo arsenhaltige Erze brechen. In untergeordneterMenge finden sie sich auch in vielen Eisensteinen, in der Ackererde,in manchen Mineralquellen etc.

Technische Gewinnung des Arsens und seiner Verbin-dungen. Die Darstellung des Arsens (metallischen Arseniks, Fliegen-steins, Cobaltum) ist eine Fabrikation von beschränkter Ausdehnungund erfolgt zumeist durch Erhitzung von Arsenkies in thönernenRöhren oder Muffeln, die doppelreihig in einem Galeerenofen liegenund mit Blechvorlagen versehen sind, in welchen das sich sublimirendeArsen zur Verdichtung gelangt. Auf den königlich sächsischen Schmelz-hütten zu Freiberg (Muldnerhütten) verwendet man hierzu Erze vondurchschnittlich 35 p. G. Arsengehalt (76 p. 0. Arsenkies entsprechend) 1 ).

Arsenige Säure, As 2 0 3 (weisser Arsenik, Rattengift), entstehthei der Abröstung arsenhaltiger Erze und ist diejenige Arsenverhindung,welche in umfänglicher Weise hüttenmännisch gewonnen wird. Mancondensirt sie in langen Canälen (Giftfängen) oder Thürmen (Giftthürmen)und erhält dabei das weisse Arsenmehl oder Giftmehl, welchesArsenigsäureanhydrid im krystallinischenZustande ist. Sehr bedeu-tende Mengen arseniger Säure fallen jetzt als Nebenproduct beim Betriebeder königlich sächsischen Hüttenwerke zu Freiberg. Man benutztbei ihrer Darstellung zum geringeren Theil eigentliche Arsenerze undzwar solche, welche sich wegen ihres Bleigehaltes (18 bis 20 p. C. Bleiund 12 p. C. As) nicht für die Realgar- und Fliegensteinfabrika-tion eignen; zum grössten Theile dient als Material der 75 p. C. arsenigeSäure enthaltende Flugstaub aus Kilns, Schütt- und Fortschauflungs-öfen, während der zu arsenarme Flugstaub aus den Schmelzöfen in denSehmelzprocess zurückgeht, ebenso der an arseniger Säure arme, aber anarsensauren Salzen reichere Flugstaub aus den den Röstöfen zunächstbefindlichen Canaltheilen. Arsenerze sowohl als Flugstaub werden ineinem Flammofen mit Cokegasfeuerung mit 4 m langen und 28 mbreiten Herde, welcher 900 Kg Röstgut fasst und täglich vier Malbeschickt wird, sublimirt und die in Folge der Gasfeuerung sehr weissearsenige Säure in 225 m langen Condensationscanälen verdichtet. Daserhaltene Arsenmehl wird theils direct verkauft, theils auf weissesArsenglas verarbeitet. Das Arsenglas ist Arsenigsäureanhydrid inamorphem Zustande. Man erhält es durch Sublimation des Arsen-mehls aus eisernen Kesseln bei hinlänglich hoch gehaltener Temperatur,wobei jedoch die gleichzeitige Entstehung krystallinischer arsenigerSäure unvermeidlich ist. Die Sublimationskessel müssen aus möglichstgraphitarmem Gusseisen hergestellt werden, weil ein Graphitgehalt

x ) Käst u. Bräuning, Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- und Salinenwesenim preuss. Staate 1870, XVIII, 188 bis 190; Berg- u. Hüttenmänn. Ztg. 1871,245; Wagn. Jaliresber. 1871, 195.