Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
960
Einzelbild herunterladen
 

960

Gruppe III. Chemische Industrie.

führt allerdings leicht zum Ziele, doch ist dasselbe bei der Flüchtigkeitdieses Metalls mit zu grossen Verlusten verbunden. Vielleicht Hessesich auf silberhaltiges Wismuth das Verfahren der Werkbleientsilberungmittelst Zink anwenden, zumal Zink und Wismuth wenig Neigunghaben, sich zu verbinden. Nach A. Matthiessen und M. v. Bose 1 )vermag beim Zusammenschmelzen Zink 2'4 p. C. Wismuth und umge-kehrt Wismuth 8'6 bis 14'3 p. C. Zink aufzulösen.

Production. Ueber die Höhe der Wismuthproduction lässt sichschwierig eine zuverlässige Angabe machen. Neben den Hauptprodu-centen , den sächsischen Blaufarbenwerken, existiren viele kleine Eta-blissements, die etwas Wismuth ausbringen, ja in der Gegend vonJohanngeorgenstadt und Platten verzweigt sich die Verschmelzung derWismutherze bis in die Kochöfen bürgerlicher Haushaltungen. Geradediese Mikrometallurgie ist es aber, die am meisten von sich zu redenweiss und deshalb hinsichtlich ihrer Production gewöhnlich weit über-schätzt wird. Fast in noch höherem Grade ist dies aber neuerdingsder Fall bezüglich der Erzzufuhr von Südamerika und Australien undder Wismuthgewinnung in England. Im Jahre 1867 tauchten die erstenausländischen Wismutherze in Gestalt kleiner Probesendungen auf;Ende desselben Jahres wurde mit grosser Ostentation verkündet, dassin England die erste australische Wismutherzlieferung eingegangenund ein weiteres Schiff mit gleicher Ladung von Adelaide unterwegssei. Im Jahre 1869 sehen wir ebenso geräuschvoll das bolivianischeund peruanische Wismuth den Londoner Markt betreten und die alt-bewährte sächsische Waare momentan zurückdrängen; aber schon inKurzem ergiebt sich, dass das aus südamerikanischen Erzen erschmol-zene Wismuth sehr stark mit Zinn, Antimon und Kupfer verunreinigtsei, und in Folge dessen sinkt die Nachfrage. Dies war wohl auch dieUrsache davon, dass 1870 die Erzzufuhr von Peru ganz ausblieb. Späterbegannen die Lieferungen zwar wieder, es gelang auch, aus den trans-atlantischen Erzen ein reineres Metall darzustellen, aber heute nochsteht das erzeugte Quantum in gar keinem Verhältniss zu dem Lärm,den man seinethalben schlägt. Aus der Wismutheinfuhr nach Frank-reich 2 ), welches den Hauptconsumenten für diesen Artikel bildet, lässtsich berechnen, dass das Wismuthquantum, welches in England ausüberseeischen Erzen dargestellt wird, ungefähr die Höhe von 2500 Kgpro Jahr erreichen dürfte.

Die gesammte Wismuthproduction beläuft sich auf ungefähr25 000 Kg, wovon auf

*) Matthiessen und v. Bose, Journ. prakt. Cliem. LXXXV, 325 ;Wagn. Jahresber. 1862, 197. 2 ) Vergl. dieDroguenberichte v. Gehe & Co.

Dresden.