Druckschrift 
3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
951
Einzelbild herunterladen
 

Gold.

951

Im deutschen Reiche wurden 1870 411 Pfd. Gold gewonnen, undzwar grösstentheils aus güldischem Silber. Wie bereits angeführt, wirddejn silberhaltigen Blei durch Zink der Goldgehalt früher entzogen alsdas Silber, wovon man in der Praxis den entsprechenden Gebrauchmacht. Der Goldscheidung am Harz wurde im Vorigen bereits ge-dacht. Auch die Freiberger Erze sind goldhaltig, insbesondere dieKiese und die Blende, besonders solche, welche mit Silbererzen oder mitAntimonglanz zusammen Vorkommen, und schon Plattner bestimmteden Goldgehalt des aus ihnen gewonnenen Silbers zu 1'7 bis 28 Tausend-theilen. Demzufolge wird auch dort das granulirte Brandsilber mitSchwefelsäure wiederholt behandelt, und das Gold zuerst mit Salpeter,dann, zur Entfernung eines Platingehalts, mit saurem, schwefelsauremNatrium geschmolzen.

Die interessante Goldextraction aus den Arsenikabbränden vonReichenstein in Schlesien mittelst wässerigen Chlors hat mit der Auf-arbeitung jener vorläufig ihren Abschluss gefunden.

Miller hat versucht, das silberhaltige australische Gold dadurch zuscheiden 1 ), dass er in das geschmolzene Metall Chlor leitet, wobei sich dasChlorsilber an der Oberfläche flüssig abscheidet. Da es noch 2 p. C. desGoldes einschliesst, wird es durch Umschmelzen mit 8 bis 10 p. C. Sil-ber umgeschmolzen. 'Zur Reduction des Chlorsilbers ist von Leibiusein Apparat construirt worden, in welchem es unter Wasser mit Silberund Zink in Berührung gebracht wird.

Molecularfarbe, Goldglas, Goldpurpur. Stein 2 ) machtauf die Verschiedenheit der Oberflächen- (Körper-) und der Molecular-farbe, insbesondere bei Silber und Gold, aufmerksam und bemerkt, dassdie Partikel um so dunkler erscheinen, je feiner sie seien. Beim Goldunterscheidet er dichroitisches und moleculares. Ueber das Gold- oderRubinglas, dessen Natur früher schon oft Gegenstand des Streits ge-wesen ist, hatte zuletzt W. Müller 3 ) seine Erfahrungen mitgetheilt,wonach der Goldgehalt ein äusserst geringer (Vioooo) ist, die Tempe-ratur bis zum Schmelzpunkt des Roheisens gesteigert, und das Glasrasch abgekühlt werden muss (durch Ausgiessen in kaltes Wasser, so-genanntes Schrangen). Dieses farblose Glas wird bekanntlich zumAnlaufen gebracht, was bei anfangender Glühhitze beginnt und nahe demSchmelzpunkt sich vollendet. Selbst durch die Einwirkung des Lichtessoll es allmälig roth werden. Stein sieht in dem rothen Glase mole-kular suspendirtes Gold, im farblosen aufgelöstes, und vermutket, dassdie Oberflächen- und die Durehgangsfarbe vielleicht complementärseien, daher das letztere weiss erscheine.

!) Miller, J. f. pr.Oh. [2] VI, 1872. 2 ) stein, Dingl.pol. J.CCI, 117,

3 ) W. Müller, Dingl. pol. J. CLXXXII, 31, 129.